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Zufriedenheit[1]
Um unser Verständnis der Thematik zu stärken, ist es nützlich, Sevrus zu zitieren[2]:
Ein glückliches Los fällt demjenigen zu,
dem es gelingt, Bilanz zu ziehen:
Obwohl er in seinem Leben nicht alles getan hat, was er tun wollte,
Doch hat er alles vollendet, was er unternommen hat und tun konnte.
Sind Menschen oft mit vorhandenen Gegebenheiten, ihrem Schicksal, verlebten Jahren und Jahrzehnten zufrieden? Wahrscheinlich selten.
Vom Anfang an ist es wichtig, zwei Zustände der menschlichen Seele und des Körpers zu trennen: Zufriedenheit und Befriedigung.
1. Zufriedenheit: das Zufriedensein.
Zufrieden: innerlich ausgeglichen, sich mit den Gegebenheiten im Einklang befindend und keine Veränderung der Umstände wünschend.[3]
Die Weisheit der Jahrhunderte hilft, besser diesen Begriff besser zu verstehen:
„Niemand ist mit denjenigen zufrieden, die immer mit etwas unzufrieden sind“. J. La Bruyere
Wenn ich mich an Gedanken, Gefühle, Zeiten erinnert habe,
bin ich unwillkürlich zur Überzeugung gekommen:
es gibt viele satte und reiche Leute,
Aber man kann unter ihnen kaum einen Zufriedenen finden.
E.Sevrus
„Ein ausgezeichnetes Mittel, mit seiner Lage zufrieden zu sein, ist, sie mit der Lage derer zu vergleichen, denen es schlechter geht“. Franklin
2. Befriedigen: (jemandes Verlangen, Erwartung) erfüllen.[4]
Die Weisheit der Jahrhunderte:
„Befriedigung des Verstandes ist das Merkmal seiner Beschränktheit oder Müdigkeit.“ M.Montaigne
„Wer denkt, dass er seine Wünsche durch ihre Befriedigung unterdrückt, ähnelt sich einem Verrückten, der versucht, den Brand mit Stroh zu löschen“. Ein persischer Spruch
Also mit Blick auf Erklärungen von Literaten und islamischen Gelehrten bedeutet Zufriedenheit das Weitergehen mit Freude und Begeisterung, und Befriedigung bedeutet das Zufriedenstellen der Bedürfnisse und das Stehenbleiben oder das Weitergehen und das Zufriedenstellen von neuen Bedürfnissen. Mit Rücksicht auf muslimische Ethik und Einstellung zum Leben besteht das Wesen darin, dass einer nie stehen bleibt (wenn sein Leib und Seele lebendig sind) und mit dem Erreichten nicht befriedigt wird, sondern angesichts Gottes auf jeder Lebensetappe, auf einem beliebigen Zeit- oder Wegabschnitt mit allgemeinen und einzelnen Gegebenheiten zufrieden ist. Übrigens ist Zufriedenheit nicht nur und nicht immer das vom Mund ausgesrprochene „Al-hamdu lillah” (Alle Lobpreisung sei Gott), wie eine Beständigkeit der Tiefe und des Umfanges von Zufriedensein und Dankbarkeit des Herzens.
Wie kann man solch einen Seelenzustand erreichen? Wie kann man sich dazu erziehen? Versuchen wir, das zu verstehen.
„Zufriedenheit bedeutet nicht, keine Probleme zu empfinden (man muss sie doch sowohl empfinden, als auch konsequent lösen), sondern sie bedeutet , gegen das Geschehene keinen Einspruch zu erheben und nicht zu protestieren (wenn man anerkennt,, was bereits geschehen ist, und falls man etwas anderes wünscht, so wird man sich nicht mit Sorgen belasten, und man wird tun, was zum Wohl der Zukunft von ihm abhängt)”.
„Wer wünscht, den Zustand von Zufriedenheit zu erreichen, so sei er in der Vollziehung dessen konsequent, worin der Allmächtige Gott Seine Zufriedenheit gelegt hat”.
Im Beisein von einem der islamischen Gelehrten hat jemand gesagt: „Es gibt keine Macht noch Kraft außer Allah”[5]. Der Gelehrte erwiderte: „In deinen Worten sind seelische Beschwerden, eine Beschwerlichkeit zu hören, jedoch ist dieser Zustand eine Äußerung der Unzufriedenheit vor dem Allmächtigen Gott (das heißt, während du angeblich auf die Kraft und die Macht des Gottes harrst, ist deine Seele äußerst unzufrieden, was ist denn dann der Sinn der von dir ausgesprochenen Worte?!)”.
Der zweite Rechtgeleitete Kalif Umar hat einmal an Abu Musa al-Asch‘ari geschrieben: „Das ganze Wohl besteht in Zufriedenheit! Wenn du im Stande bist, mit dem, was geschieht, zufrieden zu sein, so sei zufrieden, andernfalls wappne dich mit Geduld”.
„Ist dein Herz voller (reiner, leichter, begeisternder und beschwingender) Zufriedenheit angesichts Gottes, so ist das ein Zeichen, dass Er mit dir zufrieden ist”.
Schlußfolgerungen. Im Heiligen Koran ist gesagt: “...mit ihnen ist Allah wohl zufrieden und sie sind wohl zufrieden mit Ihm”. Zuerst ist Er mit ihnen zufrieden, was mit Anstrengungen und viel Fleiß zu erreichen ist, und später sind sie von Gottes Segen wohl zufrieden mit Ihm. Unter „sie“ werden in derselben Aya „die Vordersten, die ersten der Auswanderer (aus Mekka) und der Helfer (in Medina), und jene, die ihnen mit dem Edelmut gefolgt sind [der zu einem untrennbaren Bestandteil ihrer Seelen, der Ethik ihres Verhaltens und der Reaktionen auf das Geschehene wurde]”[6] gemeint. Das Wort „Edelmut“ (Ihsan) wird im Bedeutungswörterbuch der arabischen Sprache als „Vollziehung der Taten, die Wohl für andere bringen, mit Gefühl von Barmherzigkeit und Liebe” erläutert.[7]
Eine andere Aya gibt den nächsten praktischen Schritt, um sich dem Gefühl von Zufriedenheit und vom inneren Wohlempfinden in den Umständen, in die wir mit dem Willen des Herren der Welten geraten sind, anzunähern: „Wahrhaftig gebietet Allah (der Gott, der Schöpfer) [Euch, Leute, Seine Geschöpfe], gerechtig und edel in euren Taten und großzügig Verwandten gegenüber zu sein; und Er verbietet das Schändliche, Unmoralische [vom Gesichtspunkt der gesunden menschlichen Wahrnehmung] und die Übertretung der Gesetze [den Anschlag auf die Ehre, das Blut und das Eigentum von anderen Leuten]. Er ermahnt euch, auf dass ihr es beherzigt” (siehe den Heiligen Koran, 16:90).
Durch edle Taten, Vorhaben und die Fähigkeit, eine Sache bis zu einem positiven Ende hinzuführen; durch Gerechtigkeit; durch die Entfernung von Amoralität und Unerzogenheit, das heißt, durch Bemühungen, mit Taten einen angesichts Gottes richtigen Lebenweg zu gehen, bewegt sich der Mensch darauf zu, dass der Schöpfer mit ihm zufrieden ist, was im Herzen des Gläubigen sich widerspiegelt und ermöglicht, in seiner Seele Triebe von Zufriedenheit zu bekommen, die sich mit der Zeit wie schöne Blumen entfalten und auf der grenzenlosen Weite der Seele das einzigartige Aroma verbreiten. Und sagen wir noch einmal: das ist nicht mit zahlreichen Wiederholungen von gepaukten Gebetsformeln und nicht mit Schwielen an der Stirn, sondern mit wirklichen, alltäglichen, vieljährigen Taten und Handlungen erreichbar, dank derer der Mensch zum Streben nach Gottes Zufriedenheit beflügelt ist, indem er wünscht, auf der Erde das zu hinterlassen, wofür er sich am Tag der Abrechnung vor dem Herrn der Welten nicht schämen wird.
[1] Die Bedeutung des arabischen Wortes “rida” (Zufriedenheit) ist ungefähr dies: wenn man etwas schon nicht ändern kann, wenn es schon keine Möglichkeit gibt, die Situation irgendwie zu beeinflussen, oder wenn diese Möglichkeit doch besteht, und einer macht alles, was von ihm abhängt; in solchen Fällen wählt er vorhandene Gegebenheiten aus, er geht auf sie ein, nimmt sie mit Liebe an, wie auch immer sie bitter seien. In seiner Seele gibt es kein Nachgefühl von Empörung, Kränkung, Unzufriedenheit, sie ist leicht, ruhig und weit. Siehe: Al-Mu‘dsham al-‘arabi al-asasi [Fundamentales Bedeutungswörterbuch der arabischen Sprache]. Das Ministerium der Erziehung, der Kultur und der Wissenschaften: Larus, S. 529.
[2] Sevrus (Borochow) Eduard Aleksandrowitsch – der russische Literat.
[3] Duden. Das Bedeutungswörterbuch. 3., neu baerbeitete und erweiterte Auflage. Band 10. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2002, S.1081.
[4] Duden. Das Bedeutungswörterbuch. 3., neu baerbeitete und erweiterte Auflage. Band 10. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2002, S.183.
[5] Diese Worte werden meistens ausgesprochen, wenn einen Menschen Not oder Unglück betroffen hat.
[6] Siehe: den Heiligen Koran, 9:100.
[7] Siehe: Al-Mu‘dsham al-‘arabi al-asasi. S. 318.
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