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Weisheit

 

Das arabische Bedeutungswörterbuch der islamischen Rechtslehre beschreibt die Weisheit als „ein zweckgemäßes Benutzen aller Sachen” (wenn alles rechtzeitig an Ort und Stelle ist).[1]

 

Die Weisheit: denken mit Pessimismus, handeln mit Optimismus. H.Hesse.

 

Die Weisheit ist eine Auszeichnung dafür, dass der Mensch sein Leben dem Zuhören, aber nicht dem Reden gewidmet hat. D.Larson.

 

Der Weise ist ein natürlicher Führer, der ungeachtet seiner Fähigkeit zu siegen immer im Schatten bleibt. A.Menegetti.

 

Die Weisheit besteht nicht darin, dass man niemals Fehler macht, sondern darin, dass man fähig ist, sie zu korrigieren und nicht zu wiederholen. N.Makarow.

 

Der Weise ist derjenige, der heute das macht, was Narren in drei Tagen machen werden. A.Mubarak.

 

Die höchste Weisheit besteht nicht in der Selbstverleugnung, sondern in der Fähigkeit, das Vergnügen an den kleinsten Sachen zu finden. D.Reskin.

 

 

Die Gesandten Gottes – der Höhepunkt der menschlichen Weisheit

 Zum Beispiel, die Generation des Propheten Abraham. „Oder beneiden sie [ungläubige oder unerzogene und geistig anspruchslose Menschen] die Menschen um das, was Allah ihnen aus Seiner Huld geschenkt hat [beneiden auch dich, o Muhammad, darum, dass gerade durch dich den Leuten das Letzte Buch gegeben wurde, und um das Gut, das dir der Allmächtige geschenkt hat]? Nun wohl, Wir [sagt der Allmächtige Schöpfer] gaben den Kindern Abrahams das Buch und die Weisheit, und Wir gaben ihnen ein mächtiges Reich [zum Beispiel, David, Salomon]“. (siehe, den Heiligen Koran, 4:54).

 David. „So schlugen sie [die Armee Tâlûts] jene [die Armee des Tyrannen und Gewaltherrschers Dschâlût] nach Allahs Gebot; und David [der nachfolgend zum Gottespropheten wurde, und zu dieser Zeit einer der Krieger Tâlûts war] erschlug Dschâlût, und Allah verlieh ihm [David] Herrschaft und Weisheit und lehrte ihn, was Ihm gefiel. Und wäre es nicht, dass Allah die Menschen hemmt, die einen durch die anderen [gäbe es kein Gleichgewicht, das der Allmächtige zwischen den Kräften von Gut und Böse aufstellt], die Erde wäre mit Unordnung erfüllt [das Böse hätte alle vorstellbaren und unvorstellbaren Grenzen überschritten]. Doch Allah ist großmütig gegen die Menschen“. (siehe, den Heiligen Koran, 2:251).

„Ertrage in Geduld [o Muhammad], was sie [die Gottlosen, die Heiden und manchmal auch die Buchbesitzer] [Böses und Beleidigendes] reden, und gedenke Unseres Dieners David, des Besitzers der Kraft [der Kraft des Geistes, des Glaubens, der Frömmigkeit, der Macht]. Er war gehorsam [war davon entfernt, was angesichts Gottes unanständig ist]. Wahrlich, Wir [setzt der Allmächtige fort, indem Er mit dem Pronomen „Wir“ Seine Größe bezeichnet] machten (ihm) die Berge dienstbar, um mit ihm [David] am Abend und beim Sonnenaufgang (Allah) zu lobpreisen. Und die Vögel in Scharen [die sich neben dem Propheten David versammelten, wenn er den Schöpfer lobpreiste, Ihm dankte] – alle waren sie [Berge, Vögel] [mit ihren Gebeten mit David zusammen] Ihm gehorsam. Und Wir [schließt der Herr der Welten] festigten sein [Davids] Königreich und gaben ihm Weisheit und ein unwiderrufliches Urteilsvermögen.” (siehe, den Heiligen Koran, 38:17-20).

 Jesus. „Und Er [Der Allmächtige Schöpfer] wird ihn [dein Kind, o Maria] das Buch [Lesen und Schreiben] lehren und die Weisheit [wird das Wissen geben, das zum Scharfsinn führt und das Wesen der Sachen zu verstehen hilft] und die Thora [die Mose von Gott gegeben wurde] und das Evangelium [das Jesus mittels Offenbarungen von Gott gegeben wurde] und wird ihn entsenden zu den Kindern Israels [zu den Nachkommen von Ya´qûb (Jakob)]”. (siehe, den Heiligen Koran, 3:48, 49).

„[Und gedenke, o Jesus, über das Gut, das Ich dir geschenkt habe] und wie Ich [sagt der Herr der Welten] dich die Schrift und die Weisheit lehrte und die Thora und das Evangelium”. (siehe, den Heiligen Koran, 5:110).

„Und als Jesus mit klaren Beweisen [zu den Menschen] kam, sagte er: „Wahrlich, ich bin mit der Weisheit zu euch gekommen, und um euch etwas von dem zu verdeutlichen, worüber ihr uneinig seid. So fürchtet Allah (Gott, Herrgott) [indem ihr euch von den Stereotypen, vom schablonenhaften Denken entfernt und die Wahrheit zu verstehen euch bemüht] und gehorcht mir [als einem Gottespropheten und einem Gesandten]. Wahrlich, Allah allein ist mein Herr und euer Herr. Darum dient Ihm [und stellt keinen Anderen auf das Niveau Gottes]. Das ist ein gerader Weg“. (siehe, den Heiligen Koran, 43:63, 64).

Muhammad. „Wahrlich, huldreich war Allah gegen die Gläubigen, da Er unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte [nicht aus der Mitte der Engel oder der Dschinn, sondern gerade aus der Mitte der Menschen,] erweckte, um ihnen Seine Verse zu verlesen und sie zur [geistigen, körperlichen, intellektuellen] Reinheit zu führen und das Buch und die Weisheit zu lehren; denn siehe, sie hatten sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befunden”. (siehe, den Heiligen Koran, 3:164).[2]

„Und Allah (Gott, Herrgott) hat das Buch und die Weisheit auf dich [o Muhammad] herabgesandt und dich gelehrt, was du nicht wusstest, und Allahs Huld, die Er dir erwiesen hat, ist wahrlich großartig”. (siehe, den Heiligen Koran, 4:113).

 

Eine niedrigere Stufe – die Gelehrten

 Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) hat gesagt: „Die Gelehrten sind die Nachfolger der Propheten”.[3]

 

Eine wahre Quelle der Weisheit

„Der Allmächtige gibt die Weisheit, wem Er will, und wem da Weisheit gegeben wurde, dem wurde hohes Gut gegeben [da die Weisheit eine der wichtigen Komponenten ist, die die Menschen zum Glück in beiden Welten führt]; doch niemand bedenkt dies außer denjenigen, die Verstand haben [denjenigen, die gelernt haben, ihre Vernunft zu benutzen]”. (siehe, den Heiligen Koran, 2:269).

Im Kontext dieser Aya sind ernüchternde Worte von Pierre Boiste anzuführen: „Die höchste Stufe der Weisheit ist erreicht, wenn man gesteht, dass man sie nicht hat”. Die menschlichen Kräfte reichen nicht aus, um zum Gipfel der Weisheit hinaufzufliegen, weil dies das göttliche Territorium ist. Ja, es ist mit der ganzen Tiefe des Bewusstseins und mit der Breite der Seele schwierig zu verstehen, dass die Weisheit nur von Gott gegeben wird. Die Weisheit ist kein Ding, das in einem Geschäft gekauft werden kann oder das man in einer guten Bibliothek finden kann. Der Allmächtige gibt einem Menschen die Weisheit, die das große Wohl für die Nachkommen Adams ist, nur als Ergebnis seiner Bemühungen und seiner Überwindungen. Manchmal aber auch schon als Ergebnis eines bestimmten Herangehens zum Leben.

 

Ermahnungen vom weisen Luqman[4] an seinen Sohn

„Und Wir verliehen Luqman Weisheit, auf dass er Allah dankbar sein möge [indem er das ihm Verliehene bestimmungsgemäß verwendet]: denn wer da dankbar ist, der ist dankbar zum Besten seiner eigenen Seele [der Herr der Welten bedarf dessen gar nicht]. Ist aber einer undankbar [und dadurch das Gut des Allmächtigen verneint und auf keine Weise es mit Ihm verbindet; wegen der Faulheit oder aus anderen Gründen das Gut nicht bestimmungsgemäß verwendet, und es nur gedankenlos verschwendet], dann ist wahrlich Allah (Gott, Herrgott) Sich Selbst genügend, preiswürdig.

Und da sagte Luqman zu seinem Sohn, indem er ihn ermahnte: „O mein Söhnchen, setze Allah keine Götter zur Seite; denn Götzendienst ist wahrlich ein gewaltiges Unrecht.“ … „O mein Söhnchen, hätte sie [deine Tat, sei es eine gute oder eine schlechte] auch nur das Gewicht eines Senfkorns und wäre sie in einem Felsen oder in den Himmeln oder in der Erde, Allah würde sie gewiss hervorbringen [der Mensch wird für seine Taten eine Verantwortung tragen, wo sie auch geschehen und auch wie unwichtig, unmerklich sie wären]. Wahrlich, Allah ist Gnädig, Kundig. O mein Söhnchen, verrichte das [obligatorische] Gebet und gebiete Gutes [sei als Beispiel im Guten und Gerechten] und verbiete Böses [beginnend bei dir selbst] und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das erfordert von dir wahrlich eine Stärke in allen Dingen.

Und weise den Menschen nicht verächtlich deine Wange (mache keine Grimasse der Abneigung, des Ekels) und schreite nicht selbstzufrieden und ausgelassen (in Übermut, unzufrieden, undankbar) auf Erden; denn Allah liebt keine eingebildeten Prahler. Und schreite gemessenen Schrittes und dämpfe deine Stimme; denn wahrlich, die widerwärtigste der Stimmen ist die Stimme des [wahnsinnigen] Esels.” (siehe, den Heiligen Koran, 31:12, 13, 16-19).

 

Das Besprechen der Fragen des Glaubens mit Menschen

 Im Heiligen Koran ist gesagt: „Rufe [mit Worten, aber in erster Linie mit deinen Erfolgen und Taten] zum Weg deines Herrn mit Weisheit [was meistens nur mittels eines anstrengenden Studierens von Wissenschaften und durch die Fähigkeit, das erhaltene Wissen auf sein eigenes Leben zu projezieren, zu erreichen ist] und schöner Ermahnung auf [was auch nicht weniger Bemühungen, Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert: den Wortschatz, die Grundlagen der Rhetorik und der Psychologie, die Ruhe der Seele, die Zurückhaltung der Emotionen], und [wenn du etwas beweist, so] streite mit ihnen auf die beste Art [durch die Informiertheit zum Thema, durch die Belesenheit, das logische Denken, die Fähigkeit, den Gesprächspartner zu hören und zuzuhören, aber öfter – durch die Fähigkeit zu schweigen und den Gesprächspartner allein mit dem von dir Gesagten zu lassen]. Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt jene am besten, die rechtgeleitet sind [ziehe keine voreiligen Schlüsse, indem du über den Glauben oder die Rechtgläubigkeit der Anderen redest]“. (siehe, den Heiligen Koran, 16:125).

 

Nachwort

„Einem jeden Narren reichen die Gründe für die Verzagtheit aus, und nur der Weise zerreißt mit einem Lachen den Vorhang des Daseins”.

 

[1] Siehe: Mu‘dshamu lugati al-fuqaha’ [Das Bedeutungswörterbuch der islamischen Rechtslehre]. Beirut: an-Nafais, 1988, S. 184.

[2] Auch siehe, zum Beispiel: den heiligen Koran, 62:2.

[3] Siehe, zum Beispiel: al-Hattabi H.Ma'alim as-sunan. Scharch sunan abi daud [Merkwürdigkeiten der Sunnen. Der Kommentar zur Hadithensammlung von Abu Daud]: In 4 B. Beirut: al-Kutub al-‘Ilmijja, 1995, B. 4, S. 169, Hadith ยน1448.

[4] Luqman war kein Prophet, er war ein sittsamer, scharfsinniger und wahrer Diener Gottes. Er lebte zu Zeiten des Propheten Dâwûd (David).

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