Die Welt Der Seele

Durch den Dornenweg oder wie sich der Geist abhärtet

 

Frage. Verstehe ich das richtig: wenn uns Allah (Gott) viel Schweres durchmachen lässt, gewährt Er uns dadurch eine Möglichkeit, in diesem Leben unsere Sünden zu büßen und somit unser Los in der Ewigkeit zu erleichtern?

Abakar.

 

Antwort. Wechselfälle des Lebens, Ängste, Kummer, Schwermut, Krisen, Depressionen, Krankheiten, Apathie… Was ist das? (1) Ist das eine Möglichkeit, unsere Seelen von Sünden zu reinigen (bei einem richtigen Begreifen des Geschehenen), von den Sünden, die der Mensch durch eine absolute Reue vor dem Allmächtigen Allah, dem Herrn der Welten, nicht büßen konnte, oder (2) ist das eine Strafe?

Eine Strafe kommt in dem Fall, wenn der Mensch anders nicht versteht, wenn er selbstständig nicht aufhören kann und die Schädlichkeit seiner Taten und Handlungen nicht begreifen kann. Wenn dieser Mensch gläubig ist, so sendet ihm der Allmächtige aus Liebe und Barmherzigkeit zu diesem Menschen Möglichkeiten herab, seine ehemaligen Fehler durch eine diesseitige Strafe zu büßen, ohne sie auf den Jüngsten Tag zu verschieben, ohne dies in eine Qual in der Ewigkeit zu überbringen.

Oder (3) ist das ein „Abhärten“, eine „Weiterbildung“, eine Verstärkung der Immunität?

Wollen wir einige Erzählungen des Propheten Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) anführen, die diese Sinne, diese Seiten des Daseins in Lebenslabyrinthen entfalten können.

 

 

Eine Möglichkeit, sich von Sünden zu reinigen

„Schmerzen während eines Unwohlseins (einer Krankheit) sowie ein beliebiger Schmerz [ein seelischer, physischer oder ein anderer Schmerz] ist für einen Gläubigen (für einen dem Allmächtigen ergebenen Menschen, für einen Moslem) eine unmittelbare Ursache des Löschens (der Vergebung) von Sünden [wenn man sie geduldig und ruhig annimmt, dabei natürlich entsprechende medizinische oder andere Maßnahmen treffend], die vom Menschen wie Blätter von Bäumen abfallen [dieser Prozess ähnelt einem Herbstlaubfall, das heißt, wie der Laubfall im Herbst für einen Baum unvermeidlich ist, so unvermeidlich ist für einen Gläubigen eine Vergebung seiner Fehler durch Schmerzen in seinem Leben; ehemalige Sünden und Fehler fallen von ihm buchstäblich ab].“[1] Das heißt, dieser Prozess ist vollkommen natürlich und leicht.

„Was auch immer mit dem Gläubigen geschehen mag[2], sei es ein Leiden (eine Dauerkrankheit, ein Missgeschick), eine schwere Arbeit (eine erschöpfende, entkräftende Arbeit, die jemandem nicht liegt, eine Last, eine Ermüdung, eine Qual), ein Schmerz, ein Kummer (eine Schwermut), bis zu Besorgnissen, Unruhen, trägt dies alles zur Buße seiner Versündigungen bei (büßt dies alles seine Versündigungen).“[3]

 

Eine Strafe

Im Heiligen Koran ist gesagt: „(Ob man will oder nicht), wer Böses tut, dem wird es unbedingt[4] [mit einer entsprechenden Strafe in einer beliebigen Form, zu einer beliebigen Zeit, an einem beliebigen Ort] vergolten werden.“[5] Ob man will oder nicht, ist das eine unwiederbringliche Gesetzmäßigkeit, die vom Schöpfer für unser Leben bestimmt ist. Das Böse schlägt wie ein Bumerang zurück, und wenn nicht diesseits, dann am Jüngsten Tag, in der Ewigkeit.

 

„Abhärten“, „Weiterbildung“

„Möge auch eine Nadel [das heißt, etwas Unbedeutendes] oder etwas Größeres einen Moslem (einen dem Allmächtigen ergebenen Menschen) stechen [was ihm Schmerz oder Leiden zufügen wird], erhöht sich [als Ergebnis seiner Standhaftigkeit, seiner Selbstbeherrschung, seiner Gelassenheit und seines Mutes, natürlich wenn er notwendige medizinische Maßnahmen trifft] in einer geraden Abhängigkeit davon das Niveau [der Frömmigkeit des Menschen angesichts Gottes] und werden seine Versündigungen (seine Sünden) gelöscht.“[6]

Eine überwältigende Mehrheit von moslemischen Gelehrten sagte aufgrund des angeführten Hadithes und ähnlichen Hadithen, dass „es in beliebigen schmerzhaften Empfindungen, Krankheiten, weltlichen Problemen und Sorgen, Besorgnissen, ungeachtet ihrer Schmerzhaftigkeit, Dauer, Komplikation usw., eine Buße von Sünden, eine Erhöhung des Niveaus der Frömmigkeit und göttlicher Lohn (adschr, hasanat) gelegt ist.“[7] Das ist der Lohn für ein richtiges Verhalten zum Unwiederbringlichen, zu dem, was von uns nicht abhängt; für die Ruhe, die Geduld und die Fähigkeit, seinen Lebensweg fortzusetzen, ohne den Mut zu verlieren, und dabei die Richtigkeit und den Edelmut, die Reinheit der Absichten und Anschauungen trotz alledem aufzubewahren.

Noch ein interessantes Hadith: „Wahrhaftig hat ein [jeder] Mensch eine bestimmte Stellung (einen bestimmten Grad) vor dem Allmächtigen Allah. Wenn er sie (ihn) mit seinen Taten [nach irgendeinem Grund, zum Beispiel, wegen seines Müßiggangs, seiner Unorganisiertheit, wegen eines überflüssigen Schlafs oder eines leeren Zeitvertreibs, wegen seiner Faulheit] nicht erreicht, so beginnt der Herr, ihm Unannehmlichkeiten (was er nicht liebt, hasst, was ihm unerwünscht ist) herabzusenden. Damit führt Er den Menschen durch eine Art von Prüfungen durch, und dies geschieht solange, bis er auf diese Stellung (auf diesen Grad) nicht erhoben wird.“[8]

 

Zusammenfassung

„Unglücke und Schwierigkeiten werden solange nicht aufhören, die Körper, das Vermögen oder die Seelen von gläubigen Männern und Frauen heimzusuchen, bis auf ihnen keine Einheit von Sünden bleibt.“[9] Ein ruhiges, weises und geduldiges Durchgehen durch die Wechselfälle des Lebens wird den Menschen (nach der Barmherzigkeit des Allmächtigen) zu einer völligen Seelenreinheit von Sünden und Versündigungen führen.

„Wenn der Allmächtige einem Menschen das Gute wünscht, so bestraft Er ihn für seine Vergehen und seine Sünden bereits in diesem Leben [durch alles, was dem Menschen Schmerzen, Unannehmlichkeiten, Schwierigkeiten usw. zufügt]. Wenn Er ihm das Böse wünscht [das das Ergebnis des Starrsinns dieses Menschen im Unglauben und in der Gottlosigkeit ist], so verschiebt Er dies auf den Jüngsten Tag [um ein überzeugendes Urteil zu fällen, das allseitig mit Sünden und Verbrechen dieses Menschen begründet ist, und zu seinen Hauptverbrechen gehörten seine Gottlosigkeit und die Verneinung der Glaubengrundlagen].“[10]

Imam al-Qurtubi führt in seinem Buch „at-Tadhkira“ das folgende Hadith Qudsi[11] an: „Und sagte der Allmächtige: ,Wenn Ich jemanden begnadigen will, so werde Ich ihn aus dieser Welt solange nicht fortführen, bis Ich ihm nicht alle seine Sünden mit Schmerzen, mit Unwohlsein, mit Familienproblemen, mit Schwierigkeiten im Lebensunterhalt, mit der Armut vergelte. Und dies wird bis auf die letzte Einheit seiner Sünden dauern. Und wenn seine Sterbestunde kommt und etwas von Sünden übrig bleibt, so werden sie durch einen schweren Todeskampf gebüßt. Und seine Seele wird ihn als eine reine verlassen, der Seele eines Säuglings ähnlich.

Und Ich schwöre bei Meiner Größe! Wenn es jemanden gibt, der [für seine Gottlosigkeit, sein Heidentum oder seine schweren Sünden und Verbrechen] eine Strafe verdient, so werde Ich ihm [nach Meiner Gerechtigkeit] in diesem Leben alles Gute, das er irgendwann vollbracht hat, mit der Gesundheit, mit dem Reichtum, mit einer Ruhe in seinem Herzen vergelten. Und dies wird solange dauern, bis sein ganzes Gutes mit Gutem bereits in diesem Leben vergolten wird, und falls etwas übrig bleibt, so wird das mit einem leichten Tod vergolten. Und er wird zu Mir in dem Zustand zurückkehren, wenn er sich vor der Hölle mit nichts schützen kann.‘ “[12]


[1] Hadith von ‘Abdulla ibn Mas‘ud; Hadith-Sammlungen von al-Buchari, Muslim u.a. Siehe, z.B.: an-Nawawi Y. Sahih muslim bi scharh an-nawawi [Hadith-Sammlung von Imam Muslim mit Kommentar von Imam an-Nawawi] In 10 B., 18 Teilen. Beirut: al-Kutub al-‘ilmiya, B.8, Teil 16, Hadith ¹(2571) 45; al-Qurtubi M. Talchis sahih al-imam muslim [Eine kurze Hadith-Sammlung von Imam Muslim]: in 2 B., Kairo: as-Salam, 1993, B.2, Hadith ¹23; as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir [Die kleine Sammlung]. Beirut: Al-Kutub al-‘ilmiya, 1990, S.495, Hadith ¹8097, „hasan“.
[2] Das heißt, alles, was unwiederbringlich ist; es ist unmöglich, etwas zu korrigieren.
[3] Hadith von Abu Hurayra, auch von Abu Sa‘id al-Hudri; Hadith-Sammlungen von Ahmad, al-Buchari, at-Tirmidhi, Muslim. al-Bayhaqi. Siehe, z.B., al-‘Askalani A. Fath al-bari bi scharh sahih al-buchari [Die Eröffnung vom Schöpfer (für Menschen im Verständnis des Neuen) durch die Kommentare zur Hadith-Sammlung al-Buchari]: In 18 B. Beirut: al-Kutub al-‘ilmiya, 2000, B.13, S.127, Hadithe ¹¹5641, 5642; an-Nawawi Y. Sahih muslim bi scharh an-nawawi. B.8, Teil 16, S.130, Hadith ¹(2573) 52; al-Amir ‘Alaud-din al-Farisi (675-739 nach der Hidschra). Àl-ihsan fi taqrib sahih ibn habban [Edle Tat in der Annäherung (zu den Lesern) der Hadith-Sammlung von Ibn Habban]: In 18 B. Beirut: ar-Risala, 1991 (1997), B.7, S.166, Hadith ¹2905 „sahih“, auch Hadith ¹2925 (von ‘Ayscha), „sahih“.
[4] Die grammatische Konstruktion fordert eben diese Variante der Übersetzung, d.h., „unbedingt“.
[5] Siehe: den Heiligen Koran, 4:123.

Siehe auch: al-Amir ‘Alaud-din al-Farisi. Àl-ihsan fi taqrib sahih ibn habban. B.7, S.170, Hadith ¹2910 „sahih“ und ¹2923.

[6] Hadith von von ‘Ayscha; Hadith-Sammlungen von Ahmad, Muslim. Siehe, z.B.: an-Nawawi Y. Sahih muslim bi scharh an-nawawi. B.8, Teil 16, S.128, Hadithe ¹¹(2572) 46-51; al-Amir ‘Alaud-din al-Farisi. Àl-ihsan fi taqrib sahih ibn habban. B.7, S.167, Hadith ¹2906, „sahih“.
[7] Siehe, z.B., an-Nawawi Y. Sahih muslim bi scharh an-nawawi, B.8, Teil 16, S.128.
[8] Siehe: al-Amir ‘Alaud-din al-Farisi. Àl-ihsan fi taqrib sahih ibn habban. B.7, S.169, Hadith ¹2908 „hasan“.
[9] Hadith von Abu Hurayra; Hadith-Sammlungen von Ahmad, al-Hakim, al-Baghawi, al-Bayhaqi, at-Tirmidhi und Malik. Siehe, z.B.: al-Amir ‘Alaud-din al-Farisi. Àl-ihsan fi taqrib sahih ibn habban. B.7, S.176, Hadith ¹2913 „hasan“; at-Tirmidhi M. Sunan at-tirmidhi [Hadith-Sammlung von Imam At-Tirmidhi]. Beirut: Ibn Hazm, 2002, S.687, Hadith ¹2404 „hasan, sahih“.
[10] Hadith von Anas, auch von ‘Ammar ibn Yasir und Abu Hurayra; Hadith-Sammlungen von at-Tirmithi, al-Hakim, at-Tabarani, al-Bayhaqi u.a. Siehe, z.B.: at-Tirmidhi M. Sunan at-tirmidhi, S. 686, Hadith ¹2401; as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir. S.29, Hadith ¹385 „sahih“.
[11] Worte des Allmächtigen, deren Sinn durch den Propheten mitgeteilt wurde. Diese Worte, die obwohl als direkte Rede klingen, gehören nicht zum Text der Heiligen Schrift. Sie haben einen belehrenden Sinn, der von Gott, vom Herrn der Welten, durch den letzten Propheten und den Gottesgesandten mitgeteilt wurde.
[12] Siehe: al-Qurtubi M. At-tadhkira fi ahwal al-mauta wa umur al-achira [Die Erimahnung über die Zustände der Toten und die Sachen der Ewigkeit]. Kairo: al-Maktaba al-kayima, S.30.

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