Die Welt Der Seele

 

FRAGEN UND ANTWORTEN DER SEELE

 

Frage. Unsere Familie lebt in Russland, aber wir haben eine Möglichkeit, nach einem beliebigen moslemischen Land zu übersiedeln. Würde es nicht besser sein, wegen unserer Kinder und für die Festigung unseres Glaubens zu übersiedeln?

Fatima.

Antwort. Es scheint uns oft, es sei dort gut, wo wir nicht sind. Der Gläubige nimmt aber das Leben einigermaßen anders wahr. Der Islam ist nicht die Religion einiger Staaten oder Völker. Das ist das System der Lebensgesetze, der weltlichen und ewigen Werte, das einem Menschen hilft, in beliebigen weltlichen Bedingungen zu leben. Das Problem liegt im Menschen selbst und besteht darin, ob er passiv oder aktiv ist, ob er eine Marionette oder eine Persönlichkeit ist. In einem jeden, einschließlich moslemischer Staaten, gibt es seine eigenen Vor- und Nachteile.

Es scheint mir, dass es wichtig ist, seine Laster, seine Faulheit, seinen Egoismus zu überwinden und seine Lebenswerte zu bestimmen und sie nie aus den Augen zu verlieren.

Hätten sich die Gefährten des Propheten Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) in ihren Siedlungen und Städten wegen der angeblichen Bestrebung zur Frömmigkeit gesperrt, so würde der Islam die Grenzen von Arabien nie überschritten haben. In einigen Jahrzehnten nach der Entstehung des Islams erreichte das Wort Gottes alle Zivilisationen jener Zeit und schlug Wurzel in breiten Weiten des Planeten Erde. Die moslemische Welt erlebte verschiedene „Stressituationen“ und „Depressionen“, ging durch die Wildheit der Mongolen und der Kreuzritter, trotz alledem beträgt die Anzahl von Moslems Milliarden und sie leben in allen Erdteilen. Jeder Moslem hat ein Körnchen des Glaubens an den Einzigen und Ewigen Herren der Welten.

Also nehmen Sie Rücksicht auf verschiedene Aspekte und Umstände, umso mehr ist Russland für uns eine jahrhundertealte Heimat und ein beliebiger anderer Staat ist eine Fremde.

Man kann für die Festigung des Glaubens zwei Moscheen in Mekka und Medina besuchen.

Was Kinder und uns selbst betrifft, so scheint mir die Qualität und das Niveau der Ausbildung (für uns selber und für unsere Kinder) als das Wichtigste. Dafür soll der Mensch wenn auch bis ans Ende der Welt (im Namen des Allmächtigen) gehen.

Rumi hat gut bemerkt: „Der Allmächtige sendet uns Hitze und Kälte, Kummer und Weh, Angst und Zeitweiligkeit des Vermögens und des Körpers. Und dies (wie auch vieles Andere) ist dafür, dass das Korn unserer tief im Inneren verborgenen Natur sich entfaltet.“

 

Frage. Ich weiß vieles über die Religion, aber mein Glaube ist schwach. Ich lebe in Europa. Hier gibt es viele Moslems. Ich bemühe mich, mich mit ihnen zu treffen, aber der Glaube ist zu schwach. Ich fürchte, dass ich etwas Falsches tun kann, ich bin am Rande. Ich glaube fest an Allah, aber es ist in mir etwas, was mich sehr stört. Ich habe Angst, dass es die Oberhand gewinnen kann.

J.

Antwort. Werden Sie klüger, bekommen Sie eine Ausbildung, lernen Sie, arbeiten Sie und beten Sie. Ich glaube, dass Sie gar kein Kind sind und nicht es nicht nötig ist, dass man Sie mit dem Löffel füttert.

Die seelische Begeisterung ist nicht ständig. Sie kommt im Unterschied zum Glauben periodisch, aber der Glaube ist mit uns (dank der Barmherzigkeit des Allmächtigen) ständig.

Übrigens ist die Arbeit an sich ein unaufhörlicher Prozess. Es ist nützlich, diesen Weg bewusst zu gehen und davon Freude zu bekommen, sich dabei mit nichtigen Gedanken und Überlegungen nicht zu belasten.

 

Frage. Im Koran und in vielen Hadithen wird es über gute Taten erwähnt, zum Beispiel, wer bereut und nachdem Gutes tut oder wer nach einer schlechten Tat eine gute vollbringt, um die schlechte abzuwaschen usw. Unter guten Taten versteht man oft Almosen oder eine Hilfe den Mittellosen. Und was tun, wenn man keine materiellen Möglichkeiten hat und man möchte sowohl sich selber als auch den Anderen helfen? Gibt es in glaubwürdigen Hadithen Anweisungen, welche Taten man für gute halten kann und was man in der speziell bestimmten Zeit tun kann, zum Beispiel, im Laufe der ersten zehn Tagen des Monats Zul-hidscha?

 

Antwort. Ein gütiges Wort ist schon ein Almosen. Darüber wird es in einer Aya[1] und in glaubwürdigen Hadithen[2] erwähnt. Für eine Wohltat braucht man gar nicht, auf ein Gehalt oder auf ein anderes materielles Einkommen zu warten.

Das Leben ist vielseitig und sein Sättigungsgrad mit Farben der Wohltaten und des Guten hängt von unserer Ausbildung ab, von unserem Fleiß, von unserer Standhaftigkeit und unserer Ergebenheit. Nicht von pseudofrommen Schreien, nicht von quasidemokratischen Losungen der Ehrgeizigkeit und des Konjunkturrittertums, sondern von einer natürlichen, echt natürlichen allgemeinmenschlichen Moral, wenn sich so verschiedene und abgesonderte Menschen konsolidieren, indem jeder von ihnen sich mit seiner Sache beschäftigt, und auf diese Weise einen echten Sinn des Wortes „die Menschheit“ entfalten.

Man muss vorwärts gehen, trotz aller äußerlichen Informationsstürme, die in Gläsern mit Wasser ausgebrochen werden und für „eine Bedrohung des Friedens und einen Kampf dagegen“ ausgegeben werden.

 

Frage. Schreiben Sie bitte möglicherweise eine richtige Übersetzung und Kommentare zur 11. Aya der 13. Sure.

G.

Antwort. Die Übersetzung des Sinnes: „Er [das heißt, jeder Mensch] hat Beschützer vor und hinter sich, die einander ablösen. [Die Engel der Tagesschicht lösen die der Nachtschicht ab, das heißt, eine bestimmte Zahl der Schutzengel beschützt einen Menschen am Tage und die Anderen – nachts.] Sie behüten ihn (den Menschen) auf Allahs Geheiß (auf Geheiß des Herrn der Welten, des Erschaffers allen Seins). [Übrigens hängt das Vorhandensein der Engel nicht davon ab, ob der Mensch gläubig ist oder nicht. Ein beliebiger Mensch, der auf diese Erde gekommen ist, benützt Wohle des Erschaffers und wird von Ihm Seinem Vorhaben und Seiner Weisheit gemäß behütet. Es ist wichtig zu bemerken, dass wenn ein Befehl vom Allmächtigen bezüglich des Menschen kommt, zum Beispiel, die Unannehmlichkeit, die ihn als Strafe oder als Prüfung heimsucht, so weichen die Schutzengel zurück und geben dem Befehl Gottes nach.]

Der Allmächtige ändert die Lage der Menschen nicht, ehe sie nicht selbst das ändern, was in ihren Herzen ist. Wenn der Mensch sich im Inneren und in seinen Handlungen ändert, so ruft er Gottes Barmherzigkeit und Seinen Segen hervor. Und wenn er seelisch zu verfaulen und in seinem Wesen herunterzukommen beginnt, während er Verbrechen, Schande und Sünden begeht, so ruft er eine wahrscheinlich nicht baldige, aber unvermeidliche Strafe hervor. So sind die Gesetze, die vom Allmächtigen für diese Erde bestimmt sind.] Und wenn Allah einem Volk etwas Übles zufügen will [in Form von verschiedenen Krisen, Naturkatastrophen, persönlichen Unannehmlichkeiten usw.], so gibt es dagegen keine Abwehr, und sie (die Menschen) haben keinen Helfer außer Ihm (dem Erschaffer allen Seins) Es gibt keine Behörde, die höher als Gottes Geheiß ist].“[3]

 

Frage. Mein Leben ist von Informationen überfüllt, die meinen Glauben an den Allmächtigen untergraben. Anfangs dachte ich, dass dies alles Quatsch ist und keinen festen Grund hat, aber… Verzeihe mir Allah, meine Überlegungen führen mich zu einem schrecklichen Gedanken. Ich denke, dass es keinen Satan, keinen Teufel gibt usw., ich denke, dass der Herr im Grunde keine Grenzen des Guten und des Bösen hat, d.h., Er ist sowohl das Gute als auch das Böse. Ich glaube, dass Sie verstehen, worüber ich schreibe. Ich bitte Sie, meine Gedanken zu widerlegen oder sie zu beantworten, was für mich in Zukunft als Einschätzung von sämtlichen verlogenen Informationen gelten würde, auf die ich stoßen würde.

Chris.

Antwort. Schonen Sie Ihre Psyche. Sie sollen sich diesen Quatsch aus Ihrem Kopf schlagen, sonst ist es nicht weit bis zur Irrenanstalt. Ich bin solchen Menschen begegnet. Nachdem sie sich in eine psychologische Sackgasse hineintreiben, können sie einen Ausweg nur mit Mühe finden.

Arbeiten Sie, studieren Sie, leben Sie endlich!

 

Frage. Ich bin Moslem, oft lese ich den Koran durch und, wenn ich versuche, Ayaten des Korans mit dem modernen Leben zu verbinden, regen sich in mir Zweifel. Natürlich nicht an meinem Glauben, sondern daran, ob wir, Moslems, die Gesetze des Korans ins moderne Leben richtig transformieren. Es gibt, zum Beispiel, solche Sportarten wie Eiskunstlauf oder künstlerische Gymnastik. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass, zum Beispiel, Alina Kabajewa in einer Scharia-Kleidung auftreten würde. Oder, zum Beispiel, es ist im Koran nichts über Heroin und Kokain gesagt, aber das bedeutet nicht, dass man sie gemäß dem Prinzip „was nicht verboten ist, ist erlaubt“ gebrauchen darf. Es ist mir schwer vorzustellen, dass meine Nachbarin in der Hölle ewig brennen wird, da sie kein Namaz verrichtet hat, doch ist diese alte Dame immer hilfsbereit. Sogar die böswilligsten Henker in der Menschheitsgeschichte fühlten nach einer Weile nach dem Beginn einer Exekution Mitleid mit ihren Opfern. Wird denn der allmächtige Erschaffer, Der Seine Geschöpfe liebt und ihnen gegenüber barmherzig ist, die Sünder auf ewig bestrafen, die nur 50-60 Jahre ihres pflichtbewussten Lebens gesündigt haben? Ich kenne einige Menschen, die manchmal Alkohol trinken, aber sie haben in ihrem Leben so viel Gutes Anderen gegenüber gemacht, dass ich manchmal denke, ob sie wirklich zu den Bewohnern der Hölle werden! Neulich habe ich das Konzert eines amerikanischen Jazzsängers besucht. Dieser Mann ist dem Islam völlig fern, aber nach seinem Konzert will man leben und Gutes tun. Unser Leben ist heute viel reicher und interessanter, als es von einigen Moslems verstanden wird, die in vielem Sünden sehen. Helfen sie mir bitte, mich zurechtzufinden. Was meinen Sie darüber?

Ismail.

Antwort. Nützliche Überlegungen. Ja…

Die Hauptsache besteht im Vorhandensein des Glaubens in der Seele des Menschen wenigstens nach Gewicht eines Stäubchens, sowie in der Bestrebung zum Edelmut, zur Gerechtigkeit, zum Schöpferischen und auch in der religiösen Praxis und in der Fähigkeit, nach einem Fehler aufrichtig zu bereuen, und im Bestreben, diesen Fehler künftig nicht zu wiederholen.

Der Gläubige legt nicht den Talar eines Richters an, um Andere vor Gericht zu stellen. Der wahre Richter ist Der, Welcher das Leben mit ihren sämtlichen Schönheiten, Pflichten und bestimmten Verboten gegeben hat und zu einer bestimmten Zeit es entnehmen wird, um später (nach dem Weltuntergang) wiederaufzuerwecken und jeden Menschen (individuell!) für seine Taten und Handlungen zu befragen. Dort wird alles entschieden werden.

Der Gläubige muntert vor allem durch seine Taten, seine Erzogenheit, seine Kultur auf, das heißt, durch sein Vorbild und seine Erfolge, seine Errungenschaften, die ohne Glauben unerreichbar oder sinnlos wären.

 

Frage. Manchmal will ich mit Worten von Musa (Mose) oder Ibrahim (Abraham) sagen, Friede sei mit ihnen: „O Herr, mache uns nicht zur Versuchung für ungläubige (ungerechte) Menschen!“ Ich will gar nicht, dass man wegen mir den Islam schilt. Und dies gar nicht deswegen, dass ich ein schlechtes Vorbild oder Ähnliches bin – ich bin für einige Menschen nur ein Anlass, sie glauben an alles, was man über den Islam spricht, und wollen gar nicht verstehen, was außerhalb ihrer Kenntnisse und ihrer Lebensauffassung liegt. Was soll ich tun, denn auch wenn ich nichts getan hatte, so war ich immer schuld? Einige Verwandten versuchen immer, mich (wie sie sagen) vom Fanatismus und von der Finsternis zu „RETTEN“, indem sie sogar die Erpressungsmethoden anwenden. Helfen Sie mir bitte, wie soll ich mich benehmen?

Antwort. Ich bin mit Ihnen nicht bekannt, deshalb kann ich nicht, etwas Bestimmtes zu raten. Warum erpresst man Sie oder versucht man, Sie zu „RETTEN“? Vielleicht gibt es doch einige Extreme? Arbeiten Sie, studieren Sie? Studieren Sie gut (oder haben Sie das Studium beendet)? Warum lösen Sie negative Emotionen bei Ihrer Umgebung aus, so dass die Menschen über die Anstandnormen und die Meinungsfreiheit und -vielfalt vergessen? Machen Sie ihnen wegen irgendwas Vorwürfe? Unterstreichen Sie, dass Sie etwas Besonderes sind, und die Anderen „in der Hölle brennen werden“?

Ich denke, dass man die Ursachen solch eines Verhaltens zu Ihnen (zu uns) in uns selber suchen muss, dabei muss man sich nichts vorwerfen und sich nicht erniedrigen, sondern muss man vernünftig analysieren, sich von der Seite anschauen (was gar nicht einfach ist), seinen Gesichtskreis erweitern, Fachwissenschaften studieren, sowie Ethik, Psychologie usw.

Ich vermute, dass das Problem in der Unfähigkeit besteht, eine gemeinsame Sprache mit anderen zu finden, die nicht anders denken als Sie. Natürlich kann ich mich irren, aber dies mangelt uns allen, den Bewohnern des Planeten Erde.

Für das Verbrechen soll der Verbrecher antworten, nicht die Menschen, mit deren Werten oder Idealen dieser blinde Fanatiker seine Handlungen bemäntelt.

Hoffentlich werden Politiker und Massenmedien mit der Zeit klüger und werden sie dann nachdenken, bevor sie unvermutet oder „zum allgemeinen Wohl“ Millionen von nützlicheren und klügeren und – die Hauptsache – schuldlosen und an Verbrechen unbeteiligten Menschen öffentlich beleidigen oder erniedrigen. Amin.

 

Frage. Es ist bekannt, dass der Mensch sich selber auf dem geraden Weg nicht richtig leiten kann, dies geschieht nur nach dem Willen des Allwissenden, der sich nach der Gerechtigkeit des Erschaffers und Seiner Barmherzigkeit als Ergebnis der Taten, der Bemühungen und der Bestrebungen des Menschen äußert. Wie, mit welchen Worten muss man Allah darum bitten, dass Er den Menschen nicht allein lässt, sein Herz richtig leitet und seinen Verstand reinigt?

G.

Antwort. Zum Beispiel: „Rabbana, la tuzigh qulubana ba‘da idh hadaitana, wa hab lana mil-ladunka rahma, innaka antal-wahhab.“ (Unser Herr, lass unsere Herzen sich nicht (von Dir) abkehren, nachdem Du uns richtig geleitet hast. Und schenke uns Barmherzigkeit von Dir; denn Du bist ja wahrlich der unablässig Gebende.)[4]

 

Frage. Ich glaube an Gott und will den Islam übernehmen, aber es gibt ein Problem: ich kann nach der Annahme des Islams mir nicht vorstellen, dass ich Namaz verrichte, Zakat auszahle usw., obwohl ich den Glauben habe! Darf ich mich folglich Moslem nennen? Darf ich nur mit dem Glauben leben, ohne die religiöse Praxis einzuhalten? Obwohl ich weiß, dass das ein Fehler ist und falsch ist. Danke!

Slawa.

Antwort. Machen Sie den ersten Schritt, und darüber, was später kommen wird, lohnt es sich nicht, viel zu überlegen. Wenn der Allmächtige wünschen wird, so wird Er Sie zu folgenden Schritten (zu Ihrem weltlichen und ewigen Wohl) segnen, wie Er Sie zum ersten Schritt – zum Werden zum Moslem – gesegnet hat.

Alles hat seine Zeit, es lohnt sich nicht, sie zu hemmen oder zu beschleunigen.

 

Frage. Ich bin 35 Jahre lang mit einem an Gott nicht gläubigen Menschen verheiratet. Mein ganzes Leben bitte ich Allah um Verzeihung, meine Tochter hat das Christentum übernommen. Für mich war das ein schwerer Schlag. Wird mir der Allmächtige dies verzeihen?

Antwort. Die Barmherzigkeit des Allmächtigen und Seine Verzeihung sind grenzenlos. Es ist unzulässig, an Seiner Barmherzigkeit zu verzweifeln.

„O meine Diener[5] [o fromme, gläubige Menschen], die früher mit euch selber [mit eurem Leben, mit eurer Jugend, mit Möglichkeiten und anderen Göttlichen Gütern, die euch von Ihm geschenkt wurden] verschwenderisch wart! Verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit! Wahrlich kann Allah alle Sünden bis auf die letzte vergeben! Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige.“ (Siehe: den Heiligen Koran, 39:53).

 

Frage. Ich möchte Folgendes fragen: wie kann man Ihrer Meinung nach das Leben der Moslems in unserem Land verbessern, und besonders, mit welchen Methoden (natürlich, mit Hilfe des Allmächtigen)? Wenn Sie sich darüber Gedanken machen und einen Ratschlag haben, schreiben Sie bitte, danke schön.

Hochachtungsvoll, Ilias A.

Antwort. Eines der Probleme ist unsere Faulheit, die wir nicht überwinden können. Wir wollen alles und sofort bekommen, ohne uns Mühe zu geben, ohne dafür Jahre zu spenden. So verläuft unser Leben in der Hast der ziellosen Bewegungen, in der Plauderei und mit nichtigen philosophischen Überlegungen.

 

Frage. Mein Vater ist früh gestorben. Er war Moslem, meine Mutti ist Christin. Heute denke ich immer mehr nach, wie ich meiner Mutti helfen kann. Sie glaubt an Gott, anerkennt Ihn als den Einzigen. D.h., im Unterschied zur Mehrheit von Christen glaubt sie nur an Gott, sie vergöttlicht Maria und Jesus nicht. Die Mutti besucht auch keine Kirche, da sie meint, dass sie keinen Vermittler zwischen ihr und Gott braucht. Ich habe ein Hadith über eine mögliche Hilfe von Kindern ihren Eltern nach ihrem Tode gelesen. Ich bitte Allah, die Sünden meines Vaters zu vergeben, aber was tun mit meiner Mutti? Ich will sehr gerne ihr helfen, gibt es ein Verfahren? Sie will nicht ihre Religion wechseln.

Leila.

Antwort. Beten Sie um sie und vervollkommnen Sie sich selber in der Lebensweisheit und in der hohen Moral. Man muss vieles durchgehen, vieles erreichen, bevor dich ein Vertreter der alten Generation zu hören beginnt, um so mehr – einer deiner Eltern.

 

Frage. Ich bin Christin. Ich will bald den Islam übernehmen. Was soll ich tun, damit meine Eltern, meine Verwandten und Freunde meine Entscheidung normal aufnehmen? Ich möchte nicht das einfach verbergen.

Danke. Anastassija.

Antwort. Man muss nicht so viel die Form, das Äußere und den Wortschatz ändern, wie das Wesen, den Seelenzustand; man muss seine Seelenkraft erziehen, aber nicht zu einer blinden und fanatischen, sondern zu einer flexiblen und scharfen.

In Ihrer Seele entstand ein wunderbares Kollier des Glaubens und Sie brauchen gewisse Bemühungen, Fleiß, Beharrlichkeit, hohe Moralität, Bildung, Selbstvervollkommnung, Geduld, Hingabe, Aufrichtigkeit, selbstlose Liebe zu Ihren Verwandten und Nahen, damit sich der bezaubernde Glanz Ihres Kolliers immer heller entfaltet und in den Herzen Ihrer Eltern, Verwandten und Freunde blendende weiße Perlen der Lebenslust und des Glücks erweckt. Dieser Weg wird manchmal von zwei nicht guten Menscheneigenschaften verdüstert – vom Neid und vom Missverständnis. Aber wenn Sie nach und nach, Schritt für Schritt vorwärts gehen werden und dabei die Flexibilität und den Scharfsinn zeigen werden, worüber ich oben geschrieben habe, so bin ich sicher, dass Sie nichts verheimlichen müssen werden, sondern, umgekehrt, werden Sie vieles erklären müssen und noch vieles tun müssen, um den Wissensdurstigen Werte des Islams mitzuteilen. Amin.

 

Frage. Ich möchte Sie Folgendes fragen. Vor einer Woche war ich in der Moschee zum Tarawih-Namaz und lernte eine Dame kennen. Es stellte sich heraus, dass sie Hellseherin war. Und sie begann ohne meinen Erlaubnis über mein Leben zu sprechen. Sie sprach über meine Erkrankungen und alles stimmte, über meine Vergangenheit und das stimmte auch. Und sie sagte über meine Zukunft. Darf man ihr glauben? Und wie muss man sich dazu verhalten? Alles, worüber sie sprach, stimmte.

Gulnas.

Antwort. Wenn Sie ihr glauben, so wird Ihr Leben (ungefähr) ihrer Erzählung gemäß verlaufen. Wenn sie das überhören, dann – Ihren Bemühungen, Ihren Bestrebungen gemäß und laut der Barmherzigkeit des Allmächtigen für Sie. Ich empfehle Ihnen, solche Menschen zu meiden. Sie sind wie Drogen, die kurzfristig süß sind, aber die Ihr Leben unmerklich und sicher zerstören.

 

Frage. Ich wohne mit Schwestern-Mosleminnen in einem Haus und kenne ihre Sprache gar nicht. Wenn wir uns alle zusammen in der Küche versammeln, sprechen sie ihre Sprache und ich fühle mich sehr ungemütlich. Das kränkt mich sogar manchmal sehr. Alle meine Bitten haben kein Ergebnis. Manche sprechen ihre Muttersprache sogar speziell, damit ich sie nicht verstehe. Gibt es darüber irgendein Hadith? Manchmal möchte ich alles aufgeben, meine Sachen einpacken und eine einzelne Wohnung mieten. Aber ich verstehe, dass es mir schwer sein würde, alleine in einem nichtmoslemischen Staat zu leben. Ist das vielleicht mein Egoismus? Wie muss ich mich in solchen Situationen benehmen? Danke für Ihre Antwort.

Antwort. Es lohnt sich nicht, ein Hadith darüber anzuführen, da es sie betrifft.

Bezüglich des Egoismus bin ich mit Ihnen vollkommen einverstanden. Sie müssen mit Ihrem Glauben und mit Ihrem Verstehen wachsen, Sie müssen höher als diese sündhaften Empfindungen und Eindrücke werden. Wenn Sie sich (mit Ihrer inneren Wahrnehmung, nicht mit dem gleichgültigen Äußeren) ändern werden, dann werden sich Ihre Schwestern-Mosleminnen auch nach Barmherzigkeit des Allmächtigen ändern.

Ein moslemischer Denker hat wunderbar gesagt: „Wer fähig ist, Gutes, Positives in seiner Umgebung zu bemerken, der denkt gut, positiv (wer die Welt in hellen Farben sieht, ist auch in seinem Inneren hell). Wer positiv denkt, wird die Lebensanmut fühlen.“

Der Gläubige hat viele Voraussetzungen und kanonische Anlässe, um so zu werden.

 

Frage. „Frage dein Herz, wenn auch dir Menschen etwas raten.“ Auf diese Worte des Propheten Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) berufen Sie sich oft. Erklären Sie bitte, wie man sein Herz fragen muss und wie die Antwort sein soll. Danke.

Antwort. Geben Sie zu, es wäre merkwürdig, wenn Sie ihren Magen fragen würden, ob er Hunger hat, und noch merkwürdiger wäre seine Antwort. Alles ist viel einfacher: der Magen schickt Signale zum Gehirn, dass er voll oder leer ist, und der Mensch selber reagiert entsprechend darauf. Nach demselben Prinzip funktioniert auch das gesunde Herz: es durchführt ein ständiges Monitoring des moralischen Zustandes, der Reaktionen, der Handlungen des Menschen und sagt: „richtig“, „fehlerhaft“. Und der Mensch entweder lauscht oder… Ungefähr so sieht der innere stumme Dialog in jedem von uns aus. Hoffentlich können Sie die Frequenz mit der Zeit einfangen, auf der Ihre Seele, Ihr Herz funkt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

 

Frage. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie wieder belästige. Ich habe Ihnen eine Frage gestellt und die Antwort bekommen: „Sie müssen mit Ihrem Glauben und mit Ihrem Verstehen wachsen.“ Ich weiß, dass ich noch eine „junge“ Moslemin bin. Ich weiß theoretisch, was heißt, mit dem Glauben zu wachsen, aber ich mache wahrscheinlich irgendwo in der Praxis Fehler. Ich lese gute Bücher, Bücher von guten Islamwissenschaftlern, versuche, mich mit Gedanken und Handlungen vom Sündigen fernzuhalten, faste nicht nur während des Monats Ramadan, lese Du‘a, lerne Suren, höre Ihren Predigten zu. Aber ich rufe meine negativen Gedanken nicht selber hervor, darauf stoßen mich meine Schwestern mit ihrem Benehmen. Gott ist Zeuge, ich bemühe mich, positiv zu denken und zu reagieren, aber manchmal habe ich keine Kraft mehr.

1. Was würden Sie mir für mein seelisches Wachstum empfehlen? Vielleicht klingt das komisch, aber wie soll ich an mir selber arbeiten?

2. Wie meinen Sie, ob es sich lohnt, das Haus zu verlassen und alleine eine Wohnung zu mieten? Nach den Worten des Denkers zu urteilen, die Sie angeführt haben, sollen Sie mich richtig verstehen. Danke für das Verständnis.

Antwort. 1. Das Lesen von Du‘a und Büchern ist das Eine, aber die positive Wahrnehmung der sogar sehr (äußerlich) negativen Situationen, das aufrichtige Gefühl der Liebe zum Allmächtigen und zu den Menschen, eine Dankbarkeit dafür, das alles gerade so ist, wie es ist, ist was Anderes.

Ali, der Urenkel des Propheten Muhammad, der Zainul-‘abidin genannt wurde, was als „Schmuck, Schönheit der anbetenden Menschen“ verstanden wird, sagte einmal Folgendes: „Es gibt Menschen, die den Allmächtigen Allah aus Furcht anbeten. Wahrlich ist das eine Anbetung der Sklaven. Andere beten den Allmächtigen an, da sie eine Belohnung wünschen. Das ist die Anbetung der Händler. Aber es gibt diejenigen, die Ihn aus Liebe und aus Dankbarkeit anbeten. Wahrlich ist das eine Anbetung der auserwählten und freien Menschen.[6]

Durch „ich will es und ich kriege es“ kann man dies nicht erreichen. Eine weise Analyse der uns umgebenden Umstände und die Arbeit an sich selbst, die Fähigkeit, sich von der Seite zu sehen – dies sind einige Sachen, die uns helfen, dieses Ziel nach der Barmherzigkeit des Allmächtigen zu erreichen.

2. Ich würde Ihnen empfehlen zu bleiben. Nachdem Sie (nach der Barmherzigkeit Allmächtigen Allahs) diese Situation erfolgreich durchgehen und Ihren sämtlichen sich angesammelten Ärger Ihren Nachbarinnen gegenüber überwinden (schmelzen), können Sie seelisch sehr wachsen und damit eine feste Grundlage für die Zukunft einlegen, die Ihnen helfen wird, in beliebigen Umständen, mit einem beliebigen Menschen eine gemeinsame Sprache zu finden. Die Liebe zum Allmächtigen erweckt im Herzen eines Menschen die Flamme des Glaubens, die negative Eindrücke, Assoziationen, Meinungen und Gedanken entfernt. Wenn der Mensch diesen Zustand erreicht, bleibt er dann nicht garantiert auf diesem Niveau, aber während solcher Perioden erholt er sich mit seiner Seele und fühlt ein seelisches Glück.

 

Frage. Ich möchte auf die Frage des jungen Mädchens antworten. Sie schrieb, dass ihre Nachbarinnen in ihrer Anwesenheit eine unverständliche Sprache sprechen, und fragte über das Hadith, in dem es sich über den Schaden von Tuscheln handelt. So wird bei al-Buchari und Muslim das folgende Hadith angeführt: Der Prophet (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sagte: „Wenn ihr zu dritt seid, so sollen zwei von euch nicht tuscheln, solange der andere Mensch sich euch nicht anschließt, sonst wird ihn dies beleidigen.“

Antwort. Wir führten dieses Hadith in der vorigen Antwort vorsätzlich nicht an. Es würde nur die Einbildung und die kritische Ansicht verstärken, was in diesem Fall vollkommen unangebracht ist, da sie ihre Nachbarinnen sind. Und über gute und verehrungsvolle Beziehungen zu den Nachbarn sprechen Ayaten und Hadithe viel mehr und mit einem größeren Akzent.

Und falls Sie beschlossen haben, das Hadith anzuführen, so geben wir sein Tachridsch (in Mangel dessen ist dieser übersetzte Text noch kein Hadith): Hadith von Ibn Mas’du; Hadith-Sammlungen von Ahmad, al-Buchari, Muslim, at-Tirmidhi und Ibn Madscha. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir [Die kleine Sammlung]. Beirut: Al-Kutub al-‘ilmiya, 1990, S.58, Hadith ¹842, „sahih“.

 

Frage. Ich habe eigentlich keine Frage, ich möchte bloß einen seltsamen Eindruck mitteilen, da Sie der inneren Welt viel Aufmerksamkeit in Ihren Predigten schenken. Meine Nichte geht in die 4.Klasse. In unserem Land enthalten Lehrbücher für diese Klasse einige bekannte Hadithe. Einmal erzählte sie mir einige kurze Aussagen beim Abendessen aus dem Kopf. Diese Hadithe waren über den Verlust des Wissens, über die Merkmale der Heuchler, über das boshafte Gerede, über den Klatsch usw. Ich bekam aus irgendeinem Grund Verwirrung in meiner Seele, ich fragte sie, ob sie den Sinn dieser Worte versteht. Sie antwortete auf dem Niveau ihrer kindlichen Auffassung, was gut und was schlecht ist, aber der allgemeine Sinn wurde von ihr richtig verstanden.

Ich nahm mir diese Verwirrungen zu Herzen und verstand später, dass ich mich bloß SCHÄMTE – vor Gott, vielleicht vor meinem Gewissen, vielleicht vor ihr auch. Denn diese Versündigungen begegnen mir auch in meinem Alltag. Und ich habe nicht einmal diese Hadithe gelesen, gehört. Aber warum überraschten mich gerade die Hadithe aus ihrem Mund? Vielleicht deswegen, da sie diese Sünden noch nie begangen hat? Und haben die Worte von Gerechten auch solch eine Kraft, die Herzen zu überraschen? Interessant, nicht wahr?

Kauit.

Antwort. Eine interessante Beobachtung. Nicht umsonst sagt man: „Kindermund tut Wahrheit kund.“

 

Frage. Ich wurde vor kurzem in die Hochschule immatrikuliert. Ich lernte sehr interessante Menschen kennen. Und ich habe einen großen Wunsch, sie zum Islam rufen, aber ich bin zu schwach, d.h., schwach an Kenntnissen über meine Religion. Womit empfehlen Sie anzufangen? Ich habe einen großen Vorteil – man respektiert mich nach Barmherzigkeit Allahs. Vielen Dank.

Isa L.

Antwort. Seien Sie realistischer und sich selbst gegenüber kritischer, erhöhen Sie Ihre Selbsteinschätzung nicht. Wenn sie darauf eingegangen sind, dass Sie so gut sind und dass man Sie respektiert, so haben Sie dieses Niveau, diese Eigenschaft vor dem Allmächtigen verloren. Wenn Sie diese Eigenschaft vor Ihm endgültig verlieren werden (falls Sie nicht rechtzeitig Maßnahmen treffen werden), so werden Sie sie bald auch vor ihnen verlieren.

Erklären Sie nicht mit Worten, sondern seien Sie ein Vorbild in Werken (das gute Studium, die Erzogenheit, das Taktgefühl, die Selbstbeherrschung usw.).

 

Frage. Sie schreiben viel über die Eigenschaften des Moslems, welcher er sein kann und soll. Der Islam erzieht schöne Charakterzüge an. Die Trägheit des Charakters ist groß. Es ist schwer, sich bewusst zu werden, was du gemacht hast, was du falsch gesagt hast. Und es ist schwer, das Alte aufzugeben und das Neue anzunehmen. Man versteht das mit der Vernunft und glaubt daran. Die alte Weltanschauung will nicht freilassen, sie hält fest. Ihre Änderung ist wie das Abreißen des mit der Wunde verklebten Stoffes. Was würden Sie empfehlen? Wie muss man sich benehmen, wenn man nach dem Informationshunger etwas Neues erfährt und alles von Anfang an richtig und konsequent tun möchte? Wie kann man feststellen, was für dich am Anfang am wichtigsten ist? Ich bin dem Menschen ähnlich, der vieles mitnehmen muss, aber alles ist in einem Durcheinander und er weiß nicht, womit zu beginnen, und ob er alles tragen kann, was er mitgenommen hat. Entschuldigen Sie bitte diesen Wirrwarr.

Antwort. Systematisierung von Lebensansichten, -zielen, -gedanken, Taten und Bestrebungen. Die Prüfung der Mechanismen einer wirksamen Lösung sowohl der kleinsten als auch der lebenswichtigen Fragen, die eine blitzschnelle Reaktion verlangen. Das alles ist ein gewisses Talent, aber… Das Talent besteht wie bekannt aus 80 Prozent aufreibender Arbeit.

Beginnen Sie mit etwas Kleinem und streben Sie nicht, alles auf einmal zu erfassen. Während Sie eine gute Charaktereigenschaft anerziehen, lassen Sie nicht diese Eigenschaft außer Acht, solange sie für Sie eigen wird, so dass diese Eigenschaft von Ihrer Umgebung (von Ihren Kollegen oder Ihren Freunden) bemerkt und betont wird. Sobald diese neue gute Charaktereigenschaft zu Ihrem Teil wird, bleibt es nur, sie nicht zu verlieren.

 

Frage. Ich bitte Sie sehr um Hilfe. Ich bin eine praktizierende Moslemin, ich bemühe mich, meine Religion zu befolgen. Das Problem besteht darin, dass mein Herz voll Angst ist um mich, um meine Verwandten, um die Menschen, denen ich nicht helfen kann. Diese Angst entsteht ohne einen bestimmten Grund: ich erwache am Morgen und meine Gliedmaßen werden kalt vor Angst, ich bekomme Kopfschmerzen. Nach dem Namaz lese ich Bittgebete gegen diesen Zustand, aber er verlässt mich nicht ganz. Geben Sie mir bitte einen Ratschlag: was soll ich tun, gibt es ein zusätzliches Namaz für die Beruhigung des Herzens, gibt es ein Bittgebet gegen eine grundlose Angst? Ich hoffe auf Ihre Antwort.

Angelina.

Antwort. Das sind keine gesunden Gefühle. Lenken Sie darauf keine Aufmerksamkeit. Wenn sie auftauchen, finden Sie für sich eine Beschäftigung, die Sie davon ablenkt.

Falls Sie so weiter fortsetzen werden (Ihre Aufmerksamkeit darauf konzentrieren werden), so können diese Gedanken Ihre Psyche zerstören, wie ein Computervirus, das allmählich die Software vernichtet.

Die Rettung besteht darin, dass man sich mit seinen Sachen beschäftigt, ohne auf diese Ängste seine geringste Aufmerksamkeit zu lenken. Übrigens soll Ihr nächster Tag bereits tags zuvor geplant werden, was das Eindringen dieser Ängste-Viren in Ihren neuen Tag hindern wird.

Man kann den Allmächtigen mit solch einem Bittgebet (Du‘a) anrufen: „Allahumma inni a‘udhu bika minal-hammi wal-hazn, wal-‘adschzi wal-kasl, wal-buchli wal-dschubn, wal-dala‘id-dain wa ghalabatir-ridschal.“

Die Übersetzung: „O Allmächtiger Gott, ich hüte mich mit Deiner Hilfe vor Unruhe und Kummer, vor Kraftlosigkeit und Faulheit, vor Geiz und Feigheit, vor Schuldenlast und Unterdrückung.“

 

Frage. Ich kenne Ihre Werke seit langem. Ich habe einige Ihre Bücher gelesen und Ihren Predigten zugehört. Ich habe ein Problem: meine Eltern zanken sich darum, dass mein Vater eine Freundin hat. Dieses Problem quält mich von Kind auf. Ich weiß nicht, was tun. Wenn ich daran denke, bekomme ich Kopfschmerzen. Von Kind auf erinnere ich mich an ständige Zankereien meiner Eltern, ich fühle mich minderwertig und im Kopf nicht richtig. Wenn es so weitergeht, werden sie sich scheiden lassen und meine Geschwister werden ohne Vater aufwachsen. Wir sind Moslems und deswegen mische ich mich nicht in ihre Probleme ein. Sehr geehrter Schamil, sagen Sie bitte, was soll ich weiter tun? Ich danke Ihnen im Voraus.

Antwort. Ruinieren Sie Ihre Psyche nicht. Hören Sie auf, über das Leben zu klagen, halten Sie sich von aller flauen Stimmung, von der Verworrenheit, von den Gedanken über Ihre Minderwertigkeit fern. Arbeiten Sie an sich, wandeln Sie sich in eine zielstrebige Persönlichkeit um. Willenlos zu sein ist ein unerlaubter Luxus für einen Moslem in unserer Zeit.

Was Ihre Eltern betrifft, so bitten Sie den Allmächtigen nach dem Pflichtgebet-Namaz seelenfriedlich und ruhig um die Erhaltung Ihrer Familie und um das Wiederaufleben der Liebe und des gegenseitigen Einverständnisses zwischen Ihren Eltern, um die Erweckung der Vernunft in ihrem Bewusstsein.

Es sind in dieser Welt sowohl Schlechtes als auch Gutes nicht ewig.

 

Frage. Wird das Erlernen anderer Religionen, zum Beispiel, des Hinduismus, des Buddhismus, des Christentums usw., da vieles darin der Islamslehre widerspricht, missbilligt, natürlich unter der Voraussetzung, dass dies dem Erlernen des Islams nicht schadet? Es gefällt mir, Wahrheiten in verschiedenen Wertesystemen festzustellen und so meinen Glauben noch tiefer zu verstehen. In meinem Inneren gehe ich auf vieles ein (die Weisheit und die Wahrheit hatten immerhin verschiedene Erscheinungsformen auf der Erde), jedoch bemühe ich mich, an der islamischen Tradition festzuhalten. Ich bedanke mich bei Ihnen, wenn Sie Zeit finden werden, um zu antworten.

Hochachtungsvoll, Leila.

Antwort. Der Prozess der ständigen Selbstbildung ist für einen Moslem und eine Moslemin obligatorisch. Es ist wichtig, sowohl das Vorrangige als auch das Nebensächliche zu erlernen, indem man alles nach seinem Wichtigkeitsgrade richtig anordnet. Der Gläubige soll sich zu seiner allseitigen Entwicklung streben und dabei auf Grundlagen- und Gesellschaftswissenschaften, auf die Selbsterkenntnis und auf die Bekanntmachung mit allem, was sein weltliches und ewiges Glücklichsein fördert, einen besonderen Akzent legen.

Wenn wir die Vergangenheit erlernen, tragen wir zur Entwicklung der Zukunft bei.

 

Frage. Was soll ich tun? Helfen Sie mir bitte! Ich habe begonnen, islamische Normen einzuhalten, genauer, bemühe ich mich, sie einzuhalten. Natürlich bin ich sofort auf Schwierigkeiten gestoßen. Aber ich habe mir Mühe, sehr viel Mühe gegeben. Den letzten Monat geschah  etwas Furchtbares: ich versäumte Ritualgebete, plauderte zu viel. Ich bereue ganz aufrichtig. Ich weine und danach beginnt alles in zwei Tagen erneut. Ich will das nicht! Das gefällt mir nicht! Helfen Sie mir bitte, mich in dieser Situation und in mir selber zurechtzufinden.

Antwort. Hier gibt es nichts Schreckliches. Sie gehen Schritt für Schritt darauf zu, dass eine bestimmte moralische Haltung und die obligatorische Religionspraxis zum Bestandteil Ihres Wesens, Ihres Lebens werden. Die Hauptsache – man muss nicht stehen bleiben; wenn man stolpert, muss man nicht verzweifeln, sondern weitergehen. Quälen Sie sich nicht mit Mutmaßungen und ständigen Vorwürfen. Stehen Sie einfach auf und gehen Sie. Die Zeit wird kommen und die Frömmigkeit, das Pflicht- und Zielbewusstsein werden für Sie zu etwas Üblichem und Natürlichem. Dann wird die Etappe der Erhaltung dieser Eigenschaften kommen. Wenn man da seine Wachsamkeit verliert, kann man nicht nur eine Panne haben oder seine Geldbörse verlieren, sondern auch seine Ehre, seine Würde und seinen Edelmut verlieren.

 

Frage. Ich habe folgende Frage: darf man eine Sünde mit der Absicht begehen, sie später zu sühnen? Wird das verziehen?

Rasul.

Antwort. Es ist schwierig, dies eindeutig zu sagen. Tiefen und Formen der Seelenzustände sind nur dem Erschaffer, dem Herrn der Welten bekannt. Am Jüngsten Tag wird alles Verborgene offenbar sein, dann werden wir sehen.

 

Frage. Vor kurzem habe ich mit Gottes Hilfe eine gute Arbeitsstelle gefunden, mit allen Kollegen verstehe ich mich gut, außer mit einer Kollegin. Sie schimpft auf mich, versucht, mich verschiedentlich zu erniedrigen. Neulich bat sie mich um einen Bogen mit Daten, ich reichte ihr ihn, sie stand neben mir und sagte: „Legen Sie ihn bitte auf den Tisch, ich nehme ihn“, d. h. sie ekelt sich, ihn aus meiner Hand zu nehmen. Nun schenkte ich ihr ein Plüschspielzeug am nächsten Tag nach allen Kanons des Islams (das Böse durch das Gute abzuwehren), sie nahm es nicht an, wurde böse und schimpfte. Verstehen Sie mich bitte, ich soll mit ihr noch lange arbeiten und sie erträgt mich nicht. Was soll ich tun?

Rustam.

Antwort. Nehmen Sie es ihr nicht Übel und reagieren Sie darauf nicht, als ob nichts passierte. Möglicherweise beneidet sie Sie. Sie erniedrigt sich selbst mit solch einer Unerzogenheit und alle ihre Kollegen verstehen das. Das heißt, reagieren Sie nicht und bemerken Sie das nicht. Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Arbeit und strahlen Sie Gutes und Wohl den Anderen gegenüber aus.

 

Frage. Ich will den Islam übernehmen, aber ich lebe in Usbekistan und beherrsche die usbekische Sprache nicht und weiß nicht, an wen ich mich mit meiner Bitte wenden soll. Können Sie mir einen Ratschlag geben, womit ich anfangen soll?

Verehrungsvoll, Nodir.

Antwort. Regen Sie sich nicht auf, denn zu glauben ist so leicht und natürlich, denn der Glaube kann nicht mit Sprachen und mit Territorien beschränkt werden. Der Glaube ist unendlich und ewig, aber das Menschenherz ist zugleich das Gefäß, das dieses riesige, wunderschöne, majestätische Gefühl fassen kann.

Seien Sie in Ihrem geistigen Wachsen konsequent und allmählich.

 

Frage. Mein Bruder ist sehr krank, seine Seele ist krank. Früher war er ein frommer Moslem, las den Koran viel, betete und, nach seinen Anerkennungen, sah in seinen Träumen Propheten und wie er sich zu Gott genähert hatte. Aber nachdem er an die Hochschule ging, begannen ihn schlechte („kufrische“) Gedanken zu überwältigen, von denen er sich bisher nicht befreien kann. Nach seinen Worten wurden sie zu einem unabtrennbaren Teil von ihm. Aber später begann er, auf diese Gedanken einzugehen und letzten Endes wurde er zum Kafir. Ich kann selber nicht verstehen, wie das möglich ist. Er will bereuen und sich bessern, aber sobald er bereut, kommen diese Gedanken zurück und er gibt nach, was sich mehrmals wiederholte. Das ist wahrscheinlich eine Gewohnheit, von der er nicht loswerden kann, aber er will das sehr. Er verfällt jeden Tag. Ich will ihm aufrichtig helfen. Geben Sie mir bitte einen Ratschlag.

Rinat.

Antwort. Er soll sich diese Gedanken, insbesondere daran, dass er zu einem „Kafir“ wurde, unverzüglich aus dem Kopf schlagen. Er soll mit dem Üblen, das sein Bewusstsein überwältigt, auf keinen Fall kämpfen. Er soll vorbeigehen und darauf keine Aufmerksamkeit schenken. Wenn er diese Ratschläge nicht hören wird und sich darin nicht trainieren wird, insbesondere in der Fähigkeit, „nicht zu bemerken und gedanklich vorbeizugehen“, dann wird er allmählich die Kontrolle über seine Psyche verlieren und wird die Hilfe eines Psychiaters brauchen oder, noch schlimmer, wird im Krankenhaus unterbracht werden müssen. Ich bin solchen Fälle begegnet und empfehle, die Situation nicht zu vernachlässigen und insbesondere dem nicht zuzuhören, bei dem der Prozess der Zerstörung der Psyche begonnen hat. Er soll Sie hören, nicht umgekehrt!

Leider haben sich viele psychologische Viren heutzutage in unserem Land (Russland) angesammelt, die mit dem Christentum, dem Islam, dem Buddhismus, dem Satanismus, dem Atheismus usw. etwas zu tun haben. Das ist eine Art sektiererischer Gedanken und Überlegungen. Ein beliebiger Mensch unabhängig von seinem Glaubensbekenntnis und seiner Weltanschauung kann sich davon beeinflussen lassen (insbesondere während schwieriger Lebensperioden).

Der Ausweg ist, an diesem Informationssumpf vorbeizugehen, sich in seinem Leben finden zu können, Traditionen zu bewahren und den Glauben, die Moral, den Edelsinn, d.h., allgemein anerkannte moralische Werte zu entwickeln. Und natürlich sich allseitig zu bilden.

Übrigens ist bei Ihrem Bruder nicht die Seele krank, sondern seine Psyche wird zerstört. Glauben Sie mir bitte, das sind verschiedene Sachen.

 

Frage. Warum verhalten wir uns so räuberisch mit unserer Zeit und glauben, dass wir sie immer im Vorrat haben, indem wir oft speziell nachdenken, womit unsere freie Zeit zu füllen, aber für wirklich wichtige Sachen haben wir keine Zeit? Und auch das, was alle als Zivilisationsentwicklung und Zivilisationsgüter bezeichnen, ist meiner Meinung nach dazu bestimmt, um bei Menschen ihre Zeit und ihre Mittel zu rauben. Dieser Flitterkram, der Glanz und der äußerliche Schick, eine unendliche Suche – das alles stört, stehen zu bleiben und darüber nachzudenken, wer du bist, wohin du gehst. Und manchmal hast du speziell keinen Wunsch, stehen zu bleiben und darüber nachzudenken, da das Ergebnis nicht zu deinen Gunsten wird. Und warum verstehen wir erst später, wie viel Zeit wir vergebens verloren haben, obwohl es uns scheint, dass wir mehr und besser machen könnten? Wie muss man seine Zeit richtig benützen, wie muss man sie nicht verschwenden (das sind meine subjektiven Gedanken, falls etwas ganz falsch ist, bitte ich um Verzeihung und um die Hilfe)?

N.

Antwort. Wir müssen Kenntnisse erwerben, verschiedene Kenntnisse und wir müssen vor allem den Professionalismus in dem Tätigkeitsbereich erreichen, den jeder von uns für sich auswählt. Bei solch einem Herangehen werden die Augen (das Gehirn, das Bewusstsein, die Seele) immer schärfer, vernünftiger und rationeller auf das Leben schauen. O Gott, wir bitten um Deine Barmherzigkeit und um Denen Segen!

 

Frage. Was muss man tun, wenn der Glaube schwächer wird?

Ilgizar.

Antwort. Man muss leben, arbeiten, Kenntnisse erwerben. Und Freitagspredigten besuchen.

 

Frage. …Hier sind alle gegen mich, aber ich habe keine Angst davor, ich habe Angst, so zu werden, wie sie sind, da wenn man an dem Ort lebt, wo haram (das Verbotene, d.h., Alkohol, unflätige Reden, Unzucht) begrüßt wird, so beginnt man sich ihnen mehr oder weniger anpassen. Wenn das der Allmächtige will, werde ich ihnen nie gleichen, aber ich fühle, dass mein Iman (mein Glaube) manchmal schwächer wird.

Amina.

Antwort. Kämpfen Sie nicht, sondern erwerben Sie Kenntnisse und schaffen Sie. Verbreiten Sie die Grenzen Ihres Denkens und Ihrer Auffassung. Das ist wichtig.

 

Frage. Mich interessiert solch eine Frage. Ich bin vor 1,5 Jahren zum Islam gekommen, alhamdulillah (Gott sei Dank). Ich halte alle Fasten ein, aber zu Hause weiß man nicht, dass ich eine Moslemin bin. Ist diese Verheimlichung eine Sünde? Man wird mich zu Hause nicht verstehen, man wird einen Skandal machen, deshalb habe ich nicht gesagt, aber ich nehme mir das SEHR zu Herzen und es quält mich, dass dies nicht laut dem Islam ist, obwohl ich weiß, dass dies (zu Hause) nicht gut enden wird. Soll ich unbedingt gestehen? Und darf man dies vor den nahen Verwandten verheimlichen? Vielen Dank für die Antwort!

Malika.

Antwort. Für die Gültigkeit Ihres Glaubens ist es nicht notwendig, das öffentlich bekannt zu geben. Das ist Ihre persönliche Angelegenheit, ob Sie mitteilen oder nicht, dass Sie zur Moslemin geworden sind. Was Ihre „Qualen“ betrifft, so vermute ich, dass sie von Ihrer Jugend bedingt sind. Machen Sie sich keine Sorgen, alles wird bei Ihnen in Ordnung sein.

Gehen Sie zum Besseren und Größeren leicht und aufrichtig; stellen Sie einen schriftlichen Plan Ihres geistlichen, intellektuellen, materiellen Wachstums und der Familienintegration (d.h., wenn Sie Ihre Familienmitglieder leicht verstehen werden und sie Sie auch so leicht wahrnehmen werden) für die nächsten Monate, für ein Jahr auf. In diesem Kontext sind folgende Worte interessant: „Wir können den Menschen verzeihen, die uns langweilen, aber niemals den Menschen, die wir langweilen.“[7]

Sie betrügen niemanden, Sie fügen niemandem das Übel zu, sondern, umgekehrt, Sie wollen Ihre Verwandten unter der Berücksichtigung des heutigen „Informationsterrorismus“ nicht in grundlose und nichtsnutzige Unruhen hineinstürzen.

Ein echter Glaube führt einen Dialog mehr mit der Vernunft, als mit Emotionen.

 

Frage. In der heutigen Realität ist es auf den ersten Blick nicht populär und nicht praktisch, bescheiden zu sein. Welche Einstellung hat der Islam zur Bescheidenheit und zur Scham?

Antwort. Erstens versuchen wir, uns Umrisse und Grenzen solch einer edlen Menscheneigenschaft wie die Bescheidenheit vorzustellen. Das Duden-Bedeutungswörterbuch erläutert, zum Beispiel:

„Bescheiden: sich nicht in den Vordergrund stellend; in seinen Ansprüchen maßvoll.“[8]

Diese Eigenschaften entsprechen genau der moslemischen Ethik.

Jetzt wenden wir uns an den Nachlass des Propheten, der Jahrhundert für Jahrhundert sorgsam übertragen wurde und dessen Glaubwürdigkeit in ersten Jahrzehnten nach seinem (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) Tode in Einzelheiten geprüft wurde. Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach:

„Bescheidenheit und Glaube sind ein Paar, zwei untrennbare Teile (sind miteinender eng verbunden). Wenn eines verschwindet, so folgt ihm das zweite [verschwindet aus dem Menschenwesen].“[9]

„Bescheidenheit ist das Wohl, voll und ganz.“[10]

„Bescheidenheit (Scham) schenkt dem Menschen nur das Wohl.“[11]

„Bescheidenheit (entsteht) aus dem Glauben und der Glaube (führt den Menschen) ins Paradies. Unanständigkeit und Schamlosigkeit (entstehen) aus der Hartherzigkeit und diese Eigenschaft (führt den Menschen) in die Hölle.“[12]

Die oben angeführten Hadithe sind nur ein geringer Teil der Hadithe, die auf die Wichtigkeit der Bescheidenheit als unabdingbarer Eigenschaft der Moralität und der Ethik des Gläubigen hinweisen.

 

Frage. Als ich ungefähr 5 Jahre alt war, geschah Folgendes. Ich lief im Hof umher und sah ein kleines Kätzchen, jagte ihm nach und schlug es schmerzhaft mit einem Stock. Das Kätzchen begann sich zu krümmen und zu miauen. Ich entsetzte mich sofort, ich begann, laut zu weinen. Ich hoffte damals nur, dass dieses Kätzchen nun am Leben geblieben wäre. Nach einigen Minuten beruhigte sich das Kätzchen und lief weiter und ich fühlte eine Erleichterung. Aber damals, als ich klein war, sah ich ältere Kinder Katzen nachjagen, sie aus Schleudern beschießen usw. Ich glaube, dass Sie die Meinung teilen werden, dass Mitleid oder Brutalität sowie viele Charakterzüge, die in uns von unserer Geburt an gelegt sind, und die Handlungen, die wir vollziehen, in Vielem von diesem in uns Gelegten abhängen. In diesem Zusammenhang ist die Frage, ob die Menschen, in die von Ihrer Geburt an mehr oder weniger Gutes oder Böses gelegt ist, am Jüngsten Gericht für ihre Taten gleichermaßen gefragt werden.

Danke im Voraus, Abakar.

Antwort. Das Los, das uns erwartet, ist nur dem Allmächtigen bekannt. Was „mehr oder weniger gelegtes Gutes oder Böses“ betrifft, so bin ich mit Ihnen nicht ganz einverstanden. Soweit ich sehe, weisen der Koran und die Sunna darauf hin, dass die Mehrheit der Menschen mit in sie gleichermaßen gelegten Eigenschaften und Charakteristiken geboren werden, insgesamt ist alles durchschnittlich, in gewissem Maße proportioniert. Aber je nach der Erziehung, den Verhältnissen, in denen er lebt, je nach seinen Absichten und seinen tatsächlichen Handlungen entwickelt sich in einem Menschen etwas mehr und etwas Anderes bleibt unterentwickelt. Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach: „Jeder Neugeborene erblickt das Licht der Welt mit der (in ihn vom Erschaffer gelegten) Fitra (das heißt, mit dem reinen natürlichen Zustand des Glaubens an den Herrn der Welten; mit angeborenen Eigenschaften und Charakteristiken), und dies bleibt in ihm, solange seine Zunge nicht anfängt, seine Gedanken zu äußern. Die Eltern erziehen es (das Kind) entweder laut der mosaischen oder laut der christlichen oder laut der heidnischen Tradition.“[13] Das heißt, gerade die Eltern spielen eine der Hauptrollen in der Entfaltung des Potentials eines neuen Menschen und in seinem Vertrautmachen mit einer bestimmten Tradition.

Der Mensch kann nicht ideal sein, aber er soll sich zum Besseren bemühen, das Böse zu regeln und in sich das Gute und den Edelmut zu entwickeln.

In allgemeinen Kontext ein Hadith:

„Nicht derjenige ist (wirklich) stark, der in einem Zweikampf siegt, sondern derjenige, der sich bei einem Zornausbruch beherrschen kann.“[14] Das heißt, jedermann hat das Zorngefühl, aber die Menschen unterscheiden sich durch ihre Fähigkeiten, diese natürliche Eigenschaft zu regeln, wodurch sich das Mosaik des echten Charakters eines Menschen bildet.

Moslemische Gelehrten bemerkten: „Was kann besser sein als Glaube, der mit Kenntnissen verziert ist? Und noch besser ist es, wenn Kenntnisse mit Taten und gerechten Handlungen verziert sind. Und noch besser ist es, wenn Taten und Handlungen mit der Herzensgüte und der Gewogenheit verziert sind.“

Jedermann geht auf die Richtigkeit dieser Worte ein, versteht mit seinem natürlichen Instinkt, dass sie richtig sind, aber gibt es viele, die das in ihrem Leben verwenden?

Übrigens was „mehr oder weniger“ betrifft, so sagen die Wissenschaftler, die sich mit der Rhetorik beschäftigen: „Eine konkrete Sprache ist dem Menschen nicht von Natur aus gegeben, er erlernt sie während der Kommunikation; genetisch ist ihm nur die Sprachfähigkeit (competence) gegeben, nicht die Sprachtätigkeit (performance). Deshalb wenn das Kind sich in einer stilistisch reinen Umgebung befindet, so ergeben sich Fehler in seiner Rede sehr selten.“[15]

Zugleich ist jeder Mensch einzigartig und individuell und das Gericht wird wahrscheinlich das berücksichtigen. Und nur der Allmächtige weiß die Wahrheit.

 

Frage. Sagen Sie bitte, was tun, wenn mich die Gedanken darüber quälen, dass mir weder im Studium noch bei der Arbeit noch in der Ehe etwas gelingt. Ich bin religiös, mache alles, was ich machen soll, aber diese unablässigen Gedanken töten mich einfach. Gibt es ein Dua von diesen Gedanken? Antworten Sie bitte.

An.

Antwort. 1. Dem keine Aufmerksamkeit zu schenken, einfach vorbeizugehen. 2. Sich zu bemühen, seine wenn auch kleinen Errungenschaften und Erfolge zu sehen und dafür dem Allmächtigen zu danken. 3. Lebensziele nicht zu verlieren.

 

Frage. Ich bin eine neubekehrte Moslemin. Unsere Freunde öffneten mir und meinem Mann den Islam mit Hilfe und Barmherzigkeit Allahs. Ich hörte ihren Erzählungen entzückt zu und freute mich darüber, dass ich endlich den richtigen Weg gefunden hatte, den mein Herz zu finden angestrebt hatte. Mein erstes Namaz verlief mit Zittern und Beben. Weiter war es immer ruhiger und sicherer und natürlich mit Liebe zu unserem Herrn. Ich stand am Morgen mühelos auf und verrichtete das Morgen-Namaz. Ich lernte allmählich zusätzliche Suren auswendig, las Ayat al-Kursi und bemühte mich, jeden Tag die Aufnahmen Ihrer Predigten zu hören. Sie helfen mir mich zu konzentrieren, mich in Geduld zu fassen, fleißig zu werden, von der Faulheit und von Sünden fern zu sein. Leider will ich zur Danksagung auch eine Bitte hinzufügen. Es handelt sich darum, dass ich seit dem Beginn des ersten Haid-Tages und der erzwungenen Nichtverrichtung des Namazes Angst und Unbehagen fühlte. Im Laufe dieser Tage habe ich eine Menge kleiner Versündigungen begangen, auf die ich nicht verzichten konnte und auf die mich etwas mit einer doppelten Kraft stieß. Meine Freunde unterstützten mich, empfahlen, Ayat al-Kursi oder Hadithe zu lesen. Aber ich konnte mich nicht zwingen, das Buch in die Hand zu nehmen, die Worte von Ayat al-Kursi gerieten durcheinander, ich war sogar zu faul, um die web-Seite mit Ihren Predigten zu öffnen. Ich wartete auf den Moment, wenn ich wieder Namaz verrichten könnte und die verlorene Ruhe erwerben könnte. Aber… Meine Enttäuschung war zu stark, als dieser Moment kam. Ich verrichtete das Namaz verworren, meine Gedanken liefen immer davon, ich hatte einen Wunsch, das Namaz möglichst schneller zu beenden und zu beginnen, mich mit meinen Sachen zu beschäftigen. So dauert es bereits eine Woche und wird von Tag zu Tag immer schlechter.

Vielen Dank noch einmal. Gott segne Sie.

Antwort. Sie sind über die erste Latte „der Euphorie und der Begeisterung“ in Ihrer persönlichen Geistesentwicklung gekommen, Sie haben eine große Informationsmenge bekommen. Jetzt stehen Sie auf der nächsten Stufe „des Begreifens und der Willenäußerung“. Es gibt nichts Negatives darin, was mit Ihnen geschieht. Es ist bei Ihnen alles in Ordnung, Sie stehen bloß vor einem neuen Aufstieg und wenn Sie ihn überwinden, so werden sich Ihnen neue wunderschöne Facetten des Glaubens entfalten. Bleiben Sie nicht stehen, belasten Sie sich nicht mit schweren Gedanken, erschweren Sie Ihre Religionspraxis nicht. Verpflegen Sie Ihren Glauben jeden Tag Ihres Lebens mit der Schönheit und mit dem Edelmut, beschränken Sie sich auf äußere Merkmale nicht.


[1] „Gütiges Wort [das, zum Beispiel, einem Gesprächspartner gesagt wurde] und Verzeihung [des Vergehens eines anderen Menschen, seiner Grobheit usw.] sind besser als ein Almosen, das von einem Schmerz befolgt wird [1. Ein Mensch spendete etwas, half jemandem und dann bedauerte (fühlte Schmerz); 2. Ein Mensch hat einem anderen geholfen und nach einer Weile erinnert er ihn daran und macht ihm Vorwürfe (fügt einem Anderen Schmerz zu)].“ (Der Heilige Koran, 2:263).

[2] Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach: „Jede Art der Wohltat des Guten ist ein Almosen. [Sei es ein gütiges Wort, ein freundlicher Blick, eine begeisternde Geste u. ä. – alles, was mit der Absicht getan wird, einem Anderen Gutes, Freude zu bringen, wird geschätzt und belohnt, kehrt zu seinem Herrn zurück, wie auch eine Geldspende belohnt worden wäre.]“.

Hadith von Dschabir; Hadith-Sammlungen von al-Buchari u. a. Siehe, z.B., Nuzha al-muttaqin. Scharh riyad as-salihin [Der Spaziergang der Gerechten. Der Kommentar zum Buch „Gärten der Frommen“]: In 2 B. Beirut: ar-Risala, 2000, B.1, S.130, Hadith ¹134/18.

[3] Siehe: den Heiligen Koran, 13:11.

Kommentare dazu siehe: Ibn Kathir I. Tafsir al-Qur’an al-‘adhim [Kommentar zum Großen Koran]: In 4 Bändern. Beirut: al-Chayr, 1993, B.2, S.485, 486; as-Sabuni M. Safwa at-tafasir [Das Beste aus den Tafsiren]: In 3 B., Kairo: as-Sabuni, B.2, S.76

[4] Siehe: den Heiligen Koran, 3:8.

[5] Der Gebrauch im Heiligen Koran der Redewendung „Diener Gottes“ erniedrigt die menschliche Würde nicht, sondern, umgekehrt, erhöht sie über vieles. Denn der Mensch betet nicht an, huldigt nicht der Stellung, dem Wohlstand, dem Egoismus und anderen weltlichen Eigenschaften, indem er die Anderen betrügt und bestrebt, um seine tierische Unersättlichkeit um jeden Preis zu befriedigen. Er, Diener Gottes, erreicht alles mit Namen des Erschaffers, indem er Rechte anderer Geschöpfe berücksichtigt und ihnen kein Weh und Leiden tut, und dies ist aus Beben vor dem Herren der Welten, Wessen Diener er ist.

[6] Siehe: As-Saim M. „Zainul-‘abidin imam al-haschi‘in“ [Zainul-‘abidin, der Imam der Frommen]. Ägypten: al-Maktaba at-tawfiqiya, 2000, S.35

[7] François Duc de La Rochefoucauld, (1613 - 1680), französischer Schriftsteller und Moralist.

[8] Siehe: Duden. Das Bedeutungswörterbuch. 3., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Band 10. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2002, S.201.

[9] Hadith von Ibn ‘Umar; Hadith-Sammlungen von al-Hakim, al-Baihaqi u.a. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir [Die kleine Sammlung]. Beirut: Al-Kutub al-‘ilmiya, 1990, S.234, Hadith ¹3861, „sahih“.

Ein ähnliches Hadith von Ibn Abbas; Hadith-Sammlung von at-Tabarani. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir, S.235, Hadith ¹3867, „hasan“.

[10] Hadith von ‘Imran ibn Husain; Hadith-Sammlungen von Muslim und Abu Dawud. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir, S.234, Hadith ¹3863, „sahih“.

[11] Hadith von ‘Imran ibn Husain; Hadith-Sammlungen von al-Buchari und Muslim. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir, S.234, Hadith ¹3864, „sahih“.

[12] Hadith von ‘Imran ibn Husain; Hadith-Sammlungen von at-Tabarani und al-Baihaqi; Hadith von Abu Huraira; Hadith-Sammlungen von at-Tirmidhi, al-Hakim und al-Baihaqi. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir, S.234, Hadith ¹3865, „sahih“.

[13] Hadith von Aswad ibn Sari‘a; Hadith-Sammlungen von Abu Ya‘la, at-Tabarani und al-Baihaqi. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir, S.396, Hadith ¹6356, „sahih“.

[14] Hadith von Abu Huraira; Hadith-Sammlungen von Ahmad, al-Buchari und Muslim. Siehe, z.B., as-Suyuti Dsch. Al-dschami‘ as-saghir, S.464, Hadith ¹7577, „sahih“.

[15] Zaretskaja E.N. Rhetorik. Theorie und Praktik der Sprachkommunikation. Moskau: Delo, 2002, S.9.

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