Die Welt Der Seele

 

DIE WELT DER SEELE. EINE EINFÜHRUNG ZU DER REIHE VON THEOLOGISCHEN FORSCHUNGEN ZU DIESER FRAGE

Ein jeder vernünftige Mensch geht heute darauf ein, dass die moderne Zivilisation „einen Menschen mit der Erde verbindet und vom Himmel entfernt“. Das Herz eines Menschen ist mit weltlichen Sorgen und Wünschen überfüllt, die ihn das vergessen lassen, was mit der Ewigkeit verbunden ist, was dafür nützlich ist.

In seiner Zeit erschien am Horizont der muslimischen Theologie als Ergebnis von wissenschaftlichen Forschungen und als Lebensnotwendigkeit das System, das im Lichte des Korans und der Sunna die Fragen erforschte, die die unmaterielle Menschenseele, die Welt der Seele betreffen. Im Lichte der Heiligen Schrift und des prophetischen Nachlasses bemühten sich Gelehrte, die Natur der Menschenseele (des Geistes, des Menschenherzens) zu verstehen und praktische Empfehlungen für das Erreichen einer vollständigen Harmonie (auf dem Niveau des Herzens und des Verstandes) mit sich selbst, mit dem Schöpfer, mit der Umwelt und mit den Menschen, die neben uns wohnen, zu geben.

Wir werden versuchen, wenn es Gottes Segen geben wird, diese Seite des muslimischen theologischen Nachlasses in unserer Forschung kurz und in Bezug auf heutige Realitäten darzulegen. Wir werden uns bemühen, in der Finsternis der heutigen Nichtigkeit und manchmal des grauen ziellosen Alltags Umrisse der Lebensstufe zu skizzieren, die, nachdem sie von einem Menschen bestiegen ist, ihn nicht nur mit körperlichen Bedürfnissen und trockenen intellektuellen Gedanken sich befassen lässt. Sondern ihn auch bewegt, mit seiner Seele und mit seinem Herzen zu leben, indem er sich selbst aus dem Sumpf der Niedergeschlagenheit, der Müdigkeit, der Langeweile und des Leichtsinns zieht.

Wie uns dies gelingen wird, ist nur dem Herrn der Welten, Allah, dem Großen und dem Heiligen, bekannt. Aber wir werden uns bemühen und auf Seine unendliche Barmherzigkeit und auf Seinen Segen hoffen.

 

DAS WESENTLICHE BEI DER SACHE

Ein jeder Mensch soll vor allem verstehen, an sich zu arbeiten. Sich dazu vorzubereiten, um sich einigermaßen verdient und stichhaltig zu den Gläubigen, zu den Moslems zu zählen, die den Herrn der Welten, den Einzigen und Ewigen Schöpfer anbeten. Woran man arbeiten muss, ist die Seele, die sich in unseren Körpern befindet, unser Herz.

„Die Wüstenaraber sagten: ‚Wir glauben.‘ Antworte ihnen [o Muhammad]: ‚Ihr glaubt nicht [sagt nicht bejahend, dass ihr an den Allmächtigen Schöpfer, Allah, den Großen und den Heiligen fest geglaubt habt]; sagt vielmehr [ihr dürft sagen]: ‚Wir haben uns ergeben [wir sind mit den Vorschriften, die durch den Gottesgesandten übergeben wurden, einverstanden und erklären uns bereit, sie zu erfüllen]‘. Und wenn der Glaube in eure Herzen eindringt... [wahrlich dürft ihr euch zu den Gläubigen zählen, wenn euer Glaube nicht nur in euren Worten sein wird, sondern auch in euren Seelen, in euren Herzen].“[1]

Man muss an sich in den Rahmen und in den Grenzen arbeiten, die von Allah in der Heiligen Schrift bestimmt sind, mit der Berücksichtigung der muslimischen Kultur und der Ethik. Dieser Prozess hat verschiedene Ebenen, aber er hat kein Ende. Sobald ein Mensch aufhört, an sich zu arbeiten, so fangen sowohl kleine als auch große Sünden an, in sein Leben allmählich einzudringen.

Die Ebenen der Vervollkommnung werden durch Erfolge des Menschen in seiner Fernhaltung von schlechten Taten und Handlungen, von Versündigungen und von der Unerzogenheit im höheren Grade bestimmt. Sie werden eine Form der hohen Moral einnehmen. Ihre Standhaftigkeit wird durch das ernste Verhalten zum Leben, durch die Entsprechung der inneren Gefühle, der äußeren Erscheinungsform und den Handlungen bestimmt.

Dabei begreift der nach dem Weg der Vervollkommnung Gehende, der zu einem Menschen, zu einem Vollkommenen Menschen zu werden strebt, dass er alleine kraftlos ist, wie ein Ackersmann, dessen Ernte nicht nur von dem gepflügten Boden abhängt, sondern mehr vom günstigen Wetter, das heißt, von Gottes Segen und von Seiner Barmherzigkeit.

 

***

 

Deine Arznei ist in dir selbst,

aber du fühlst das nicht,

und deine Krankheit ist wegen dir,

aber du siehst das nicht.

Du denkst, dass du dieser kleine Körper bist,

aber in dir ist eine riesige Welt versteckt.[2]


[1] Siehe: den Heiligen Koran, 49:14.

[2] Worte des großen Imam ‘Ali ibn Abu Talib. Siehe: Al-Karam A. Diwan amir al-mu’minin al imam ‘ali ibn abu talib [Gedichtsammlung des Herrschers der Rechtgläubigen Imam ‘Ali ibn Abu Talib], S.45.


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