Die Welt Der Seele
Rifq. Die Herzensgüte, das Wohlwollen, die Weichherzigkeit
Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach:
„Wahrlich liebt der Allmächtige die Herzensgüte (das Wohlwollen, die Weichherzigkeit) in allen Taten.“[1]
„Der allmächtige Allah ist zu den Menschen gütig [Er wünscht ihnen eine Erleichterung und eine Mühelosigkeit, Er fordert nicht von den Menschen etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermögen.] Und Er liebt, wenn die Menschen untereinender gütig sind. Für die Äußerung solch einer Eigenschaft wie das Rifq (die Herzensgüte, das Wohlwollen, die Weichherzigkeit) belohnt Allah den Menschen damit [im Diesseits – mit Erfolg, mit Leistungen bei ihren Taten usw., und im Jenseits – mit unbeschreiblichen paradiesischen Gütern], was Er bei der Äußerung solch einer Eigenschaft wie das ‘Unf (wird als die Strenge, die Härte, die Heftigkeit, der Zwang übersetzt) nicht gibt.“[2] Das heißt, die Äußerung der ersten Eigenschaft gewährt dem Menschen große Möglichkeiten, führt ihn zu einer größeren Barmherzigkeit und zu göttlichen Gütern sowohl im Diesseits als auch im Jenseits heran.
Der Gottesgesandte (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) betonte:
„Wer keine Herzensgüte (kein Wohlwollen) hat, der kein Wohl hat.“[3]
„Wenn etwas eine Güte hat, so ziert sie dies, wenn es darin aber keine Güte gibt, so sieht dies schändlich und schmachvoll aus.“[4]
„Halte dich an die Herzensgüte (an das Wohlwollen, die Weichherzigkeit, die Nachsicht, die Zartheit) und meide die Grobheit (die Härte, die Heftigkeit, einen harten Zwang) und die Unerzogenheit (die Unanständigkeit, die Unverschämtheit).“[5]
Die Gefährten des Propheten Muhammad betonten: „Der Prophet äußerte nie eine Grobheit (eine Unerzogenheit, sowohl in seinen Worten als auch in seinen Taten, in seinem Benehmen, in seinen Handlungen).“[6]
Hier ist ein Bittgebet vom Propheten (Allahs Friede und Segen sei mit ihm), mit dem er zum Herrn für seine Nachfolger flehte: „O Allah, wenn jemandem sogar eine Kleinigkeit anvertraut werden wird, die meine Nachfolger (die Moslem) betreffen wird, und er ihre Taten komplizieren und erschweren wird, so behandle ihn auch so. Und wenn er gütig und nachsichtig sein wird, so sei auch ihm gegenüber barmherzig und gütig.“[7] Amin.
Einmal wurde beim zweiten rechtgeleiteten Kalif ‘Umar ibn al-Chattab gegen einige seiner Untergeordneten, gegen die Gebietsleiter und die Behördenleiter Beschwerde vorgebracht. Er lud sie zu sich ein. Als sie angekommen waren, stand er auf (auf die Stelle, von der man sich an eine große Menge von Leuten – an die Untergeordneten während der Versammlungen wendet), lobpreiste den Allmächtigen und rief: „O Menschen! Wir (eure Leiter) haben Pflichten vor euch, darunter sind die Herzlichkeit, das Wohlwollen und die Hilfe im Guten! O Leiter (Beamten)! Ihr habt Pflichten vor Menschen! Wisst, dass die besten Menscheneigenschaften angesichts des Allmächtigen die Geduld des Leiters und sein Wohlwollen sind. Und die hässlichste Unwissenheit angesichts Allahs ist die Unwissenheit eines Leiters (eines Imam) und seine Übertretungen (unbegründete Ausgaben, Machtmissbrauch, Korruption). Wisst, dass wer seinen Untergeordneten gegenüber nachlässig ist, dem wird ein ähnliches Verhalten von anderen Menschen (nach Barmherzigkeit des Schöpfers) gewährt.“[8]
‘Umar ibn ‘Abdul-‘Aziz, der Urenkel des zweiten rechtgeleiteten Kalifs ‘Umar ibn al-Chattab, sprach: „Man berichtet, dass ‘Amru ibn al-‘As an Mu‘awia einen Brief geschrieben hat, worin er ihm einen Vorwurf wegen seines Zögerns gemacht hat. Er bekam darauf die folgende Antwort: ,Das Verstehen des Guten ist ein wichtiger Zusatz zur Vernunft. Ein Vernünftiger beeilt sich nicht. Man muss nicht die Geduld und die Selbstbeherrschung verlieren. Wer sicher (überzeugt, vergewissert, umsichtig) vorwärts geht, der trifft gewöhnlich sein Ziel. Eine Eile führt gewöhnlich zu Fehlern. Wem die Herzensgüte und das Wohlwollen nicht helfen, dem können die Dummheit und die Verständnislosigkeit schaden. Wer aus den Erfahrungen der Vergangenheit keinen Nutzen zieht, der erreicht keine hohen Eigenschaften und keine Würde.‘ “ Lehrreich, aber wie schwer ist es, dies in seinem Leben im nützlichen Maße zu verwenden. Ohne Gottessegen und ohne Seine Hilfe geht es nicht.
Moslemische Gelehrte bemerkten lehrreich: „Was kann schöner als der Glaube sein, der mit Kenntnissen geziert ist? Und noch besser ist es, wenn Kenntnisse mit Taten und gerechten Handlungen geziert sind. Und noch besser ist es, wenn Taten und Handlungen mit der Herzensgüte und dem Wohlwollen geziert sind.“
Es ist wichtig Folgendes zu betonen. Neben eindeutigen Koran-Versen und Hadithen, die die persönliche (innere) Vervollkommnung und die Standhaftigkeit während der Kriegsoperationen beschreiben (nicht während des verbrecherischen Raubs, der im Islam hart bestraft wird, sondern während der Kriegsoperationen in einer Schlacht), gibt es eine Menge von anderen koranischen Erzählungen und Äußerungen des Propheten Muhammad, die über die Wichtigkeit der Herzensgüte, des Edelmuts und der Erzogenheit anderen gegenüber sprechen, unabhängig davon, wer sie sind (und dieses Prinzip des Humanismus war sogar während der Kriegsoperationen maßgebend, was einer der Merkmale der moslemischen Krieger in der Menschheitsgeschichte war). Ein nützliches Zitat dazu: „Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren.“[9] Das heißt, nur diese zwei Arten von Menschen verdienen keinen Edelmut wegen der Verbrechen und des Raubs, die sie begehen. Und zu den Anderen, unabhängig von ihren Ansichten und Anschauungen, sollen wir uns anständig und achtungsvoll verhalten, wenn wir uns für die dem Allmächtigen (nicht unseren niedrigen Gefühlen) Ergebenen halten. Somit zeigen wir uns selber ein wahres Wesen unserer Herzen und unserer Seelen. Sind sie von satanischer Unerzogenheit und Grobheit voll, die mit schönen Zitaten verschleiert sind, die von unseren Mündern ausgesprochen werden? Oder erleuchtet uns immerhin ein kleines Licht des Glaubens, das in Labyrinthen unserer Seelen das Böse vom Guten, das Sündhafte vom Gerechten zu unterscheiden hilft?
Das Wesen der niedrigen Menscheneigenschaften ist leider so, dass der Mensch Fehler oder falsche Meinungen und Überzeugungen bei den Anderen bemerkt, aber diese in sich nicht sieht. Er sieht nur die Koran-Verse und die Hadithe als die für sich anwendbaren, die über hohe Sitten und über den Edelmut sprechen, er meint, dass sich die Anderen zu ihm gerade so verhalten sollen.
Ein echter Gläubiger kämpft gegen seine Äußerungen der Grobheit, der Unerzogenheit oder der Unbeherrschtheit. Er findet keine Zeit für eine Kritik oder für eine Suche der Fehler bei den Anderen.
Der Gläubige liest nicht nur schöne und weise Belehrungen des Propheten, den Vermächtnissen des letzten Gottesgesandten folgend, sondern er bemüht sich auch, dass sie in seinem Herzen geprägt bleiben werden und da eine bestimmte Form einnehmen. Erst dann äußert sich das in seinem Benehmen und in seinen Handlungen.
Zusammenfassung. Der große Imam al-Ghazali sprach: „In vielen Hadithen wird die Wichtigkeit der Herzensgüte betont. Moslemische Gelehrte betonen insbesondere bei der Erziehung zu einer Persönlichkeit gerade dieser Eigenschaft. Und dies aus dem Grund, dass es den Menschen eher zu einer schnellen und groben Entscheidung einer Frage zieht, obwohl die Herzensgüte und die Weichherzigkeit effektvoller und nützlicher sind.
Manchmal kann es auch so geschehen, dass es eher gilt ‘Unf (die Strenge, die Härte, die Heftigkeit und der Zwang) anzuwenden, aber dies geschieht selten.
Ein perfekter Mensch ist derjenige, der mit seinem Scharfsinn (nachdem er seine Emotionen ausschaltet und seine Aufgeblasenheit auspustet) unterscheiden kann, wann es nützlicher ist, die Herzensgüte und die Weichherzigkeit zu verwenden, und wann – die Strenge, die Härte und die Prinzipienfestigkeit.“[10]
printer friendly Email2Friend save
