Die Welt Der Seele
Hasad. Neid
Hasad (der Neid) heißt es, wenn der Neider nicht zufrieden ist, solange der Beneidete den Gegenstand des Neides nicht verliert.[1] Diese Eigenschaft ist äußerst sündhaft und vor allem für den Neider selbst schädlich. Der Gläubige darf dieses Gefühl nicht in sich tragen und entwickeln, da es für Heuchler eigen ist. Das heißt, der Neid (Hasad) und der Glaube können sich nicht zusammen im Herzen eines Menschen befinden. Das Eine verdrängt das Andere unbedingt.[2] Hasad ist eine gefährliche Seelenkrankheit. Sie vernichtet mit hoher Geschwindigkeit gute Taten und Handlungen ihres Trägers.
Ghibta (das Wohlwollen) heißt es, wenn man das Gute in einem anderen Menschen sieht und nicht wünscht, dass er das verliert, sondern man bestrebt ist, diese Eigenschaft, dieses Können oder dieses Gut für sich selbst zu erwerben. Das gehört zum Zugelassenen, zum Positiven.[3]
Hasad gehört zu den äußerst sündhaften und niedrigsten Eigenschaften. In diesem Artikel versuchen wir, den Neid zu beschreiben und (nach der Barmherzigkeit des Allmächtigen) zu verstehen, wie man diesen Krankheitsherd lokalisieren und ihn der Quarantäne unterwerfen kann, um das Leben weder für uns noch für unsere Umgebung zu verderben.
Im Heiligen Koran ist gesagt: „[Und schütze, o Allmächtiger,] vor dem Übel eines Neiders, wenn er neidet.“[4] Das heißt, wenn er sich bemüht, durch Worte oder Handlungen Schaden zuzufügen.
Diese kurze koranische Sure ist zum Schutz eines Menschen vor jeglichem Übel bestimmt und enthält das Flehen zum Allmächtigen um den Schutz vor dem Übel im Allgemeinen. Sie endet gerade mit diesem Vers – „vor dem Übel eines Neiders, wenn er neidet“. Und das ist nicht ohne Grund.
Einige traurige historische Tatsachen, die mit dem Neid verbunden sind:
1. Die erste Sünde in den Himmeln war der Neid. Iblis (Satan) beneidete den neu erschaffenen Adam um seine privilegierte Stellung, deswegen wurde er verflucht. Er brachte Adam vor Neid zur Sünde vor dem Allmächtigen (laut dem weisen Vorhaben des Schöpfers). Deswegen wurden Adam und Eva auf die Erde heruntergebracht. Offenbar sollte dies laut dem göttlichen Vorhaben passieren, damit die Existenz der Menschheit auf der Erde begann, aber niemand hatte Satan gezwungen, sein schwarz gewordenes Wesen zu zeigen und Adam und Eva durch Neid zu einer Sünde vor dem Erschaffer zu bringen.[5]
2. Diese Krankheit der Seele (die sowohl sich heilen lässt als auch sich verstärken kann) wurde zum Grund der ersten Sünde auf der Erde – des Mordes. Damals ermordete der eine Sohn des Urvaters der Menschheit, Adam, einen anderen aus Neid, da der Allmächtige dessen reiche und edle Gabe, die er dem Herrn der Welten opferte, entgegennahm, und seine Gabe (wegen des Geizes und der Unaufrichtigkeit) nicht entgegennahm.[6]
3. Der Neid brachte die Brüder von Yusuf (Josef)[7] dazu, zu beschließen, ihren blutsverwandten Bruder zu töten, der nur daran „schuld“ war, dass er der Lieblingssohn ihres Vaters, des Propheten Ya‘qub (Jakob) war. Im letzten Moment änderten die Brüder auf Bitte eines von ihnen ihre Absicht und warfen den künftigen Propheten, der damals zwölf Jahre alt war, in einen Brunnen.[8]
1. Woraus stammt der Neid?
Antwort. Sein Ursprung sind die Bosheit, die Feindseligkeit und der Zorn, die sich in der Seele wegen der Unhöflichkeit und der Unwissenheit anhäufen und die aus dem Wesen des Individuums nicht periodisch entfernt werden, zum Beispiel, durch Gebete und durch das Erwerben der Kenntnisse.
Viele Faktoren können das Neidgefühl erwecken und beleben. Einige davon sind:
- die Feindseligkeit zu einem Menschen;
- der Hochmut, der uns keine Ruhe gibt, wenn wir bei den anderen Vorteile sehen;
- die Furcht vor dem Verlust seiner Lage, seiner Aussichten;
- das Machtstreben (das Streben zu Führungsstellen) und folglich die Schändung anderer Anwärter;
- die Unerzogenheit und die Verdorbenheit des Wesens des Menschens, die ihn stören, Erfolge anderer positiv zu sehen,
- usw.
Der Neid zeigt sich im Milieu der Vertreter eines Berufs, einer Spezialisierung, eines Bereichs und gerade unter denen, deren Arbeit und Interessen sich (im Lebensort, in der Arbeitsstelle) überschneiden. Wenn zwei solche Menschen mit weltlichen Zielen beschränkt sind und ihr Glaube schwach oder oberflächlich ist, so beginnt sich unter ihnen das Neidgefühl zu entwickeln, das sich, zum Beispiel, dadurch äußert, dass sie miteinander Fehler aussuchen und sie unter die Leute bringen, dass diese sich untereinander in ihrer Arbeit Hindernisse und Schwierigkeiten bereiten.
Aber wenn diese zwei Menschen mit ihren Taten diesseits aktiv sind und mit ihren Herzen in die Ewigkeit bestrebt sind (jeder Moslem muss bestrebt sein, ein solcher zu sein), so entsteht unter ihnen kein giftiger Neid. Es kann nur eine gesunde Rivalität entstehen, die zu keiner Sünde gehört, sie ist erlaubt und manchmal nötig (für die Entwicklung und das Gedeihen des Bereichs, in dem man arbeitet).
2. Wie wirkt der Neid auf den Neider ein?
Antwort. Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach:
„Der Neid vernichtet gute Taten des Neiders, wie das Feuer Holz verbrennt.“[9]
„Der Neid verdirbt den Glauben, wie Aloe den Geschmack von Honig verdirbt.“[10]
„In euch drang die Krankheit der vorigen Zivilisationen ein[11]: der Neid und der Hass. Diese Krankheit ist eine Schneide. Aber sie schneidet nicht die Haare, sondern den Glauben [rottet den Glauben mit Stumpf und Stiel aus]. Ich schwöre bei dem, der über meine Seele herrscht [ich schwöre bei Allah, dem Herrn der Welten]! Ihr werdet nicht fest glauben, solange ihr einander nicht lieben und achten werdet. Soll ich sagen, was dazu beiträgt? Wünscht einander Frieden [nicht mechanisch mit euren Mündern und euren Zungen, sondern auf der Ebene der positiven herzlichen Wahrnehmung füreinander, was eure Herzen schmelzen lässt und das Gefühl der Feindseligkeit und des Hasses davon entfernen wird].“[12]
Der Neider ist verhasst, verflucht (von Engeln und nicht nur von ihnen), von der Barmherzigkeit des Allmächtigen entfernt und befindet sich unter Gottes Zorn (sogar wenn er das nicht bemerkt).[13]
Imam al-Qurtubi sprach:
Jemand hat richtig bemerkt:
Man sagt dem eingefleischten Neider, wenn er
beginnt, das (neue) Verleumden von jemand zu atmen:
„He, Unterdrücker (Dhalim)!“
Aber er (der Neider) ist
einem Unterdrückten (Madhlum) ähnlich,
(da er im Grunde sich selber schadet).[14]
3. Hat der Moslem ein moralisches Recht, in seiner Seele so ein übles Unkraut wie Neid ohne Aufmerksamkeit zu lassen oder umso mehr zu pflegen?
Antwort. Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach:
„Habt keinen Zorn aufeinander, beneidet einander nicht, befeindet euch nicht und seid, o Leute, Brüder! [Wenn ihr euch doch verzankt habt], so lasst den Zank (den Zustand der Feindschaft) nicht länger als drei Tage dauern [versöhnt euch möglichst schneller, maximal im Laufe von drei Tagen].“[15]
„Freue dich nicht über das Unglück (Schwierigkeiten, Problemen) deines Glaubensgenossen[16] (den du beneidest). (Sei nicht schadenfroh). Der Allmächtige Allah erweist ihm Seine Barmherzigkeit (wird sie ihm erweisen, wenn Er ihn davon befreit) und prüft dich [ob du dich über sein Unglück freuen wirst oder mit ihm echtes Mitleid haben wirst, ihm nach Möglichkeit helfen wirst].“[17]
Der durch seine religiösen Kenntnisse bekannte Gerechte Fudayl ibn ‘Iyad[18], der diese in seinem Leben meisterhaft anzuwenden verstand, sprach: „Der Gläubige bringt jemandem Wohlwollen entgegen [er wünscht nicht, dass jemand sein Wohl verliert, sondern umgekehrt, er freut sich für ihn aufrichtig und ist bestrebt, dies auch zu erreichen], und der Heuchler beneidet jemanden [sucht Fehler, Mängel bei jemandem, und wünscht, dass jemand Fehler macht oder sein Wohl verliert][19].“[20]
4. Wie kann man sich vor dem Übel eines Neiders und seines Neides schützen?
Antwort. Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sprach belehrend: „Um eure (diesseitigen oder ewigen) Bedürfnisse erfüllt zu haben [um eure edlen Ziele zu erreichen], bittet den Allmächtigen durch die Verheimlichung um die Hilfe. [Das betrifft insbesondere das, was beabsichtigt, aber noch nicht erfüllt ist.] [Und dies ist,] wenn sich ein beliebiger Besitzer des Gutes unter dem Einfluss eines Neides befindet.“[21]
Und natürlich erinnern Sie sich an die Worte des Propheten Ya‘qub (Jakob), die er dem kleinen Yusuf (Josef) sagte, nachdem er einen wunderschönen Wahrtraum sah: „Du, mein Söhnchen, erzähle deinen Traum nicht deinen Brüdern! Sie werden sonst vor Neid eine List gegen dich ersinnen; denn Satan ist dem Menschen ein offenkundiger Feind.“[22]
Um sich vor dem Übel eines Neiders zu schützen, lohnt es sich, periodisch die 113. Sure des Heiligen Korans vorzulesen, die ein universales Bittgebet ist, das vor verschiedenen Arten des Übels schützt, einschließlich „vor dem Übel eines Neiders, wenn er neidet“.[23]
5. Wie kann man sich vor dem „schleichenden Gift“ schützen, vor unserem persönlichen Neid, wenn wir die anderen zu beneiden beginnen (manchmal dies leider unter „edlen“ Wünschen oder Bestrebungen versteckend)?
Antwort. Der Prophet Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) sagte einmal: „Es gibt [im Menschenwesen] drei Eigenschaften, die sehr schwierig völlig zu kontrollieren sind[24] (zu überwinden, sich davor zu sichern)[25] [aber man muss im Namen des Allmächtigen und um sein persönliches Wohlergehen daran arbeiten]. Das sind die Aufmerksamkeit auf schlimme Vorzeichen [eine Abhängigkeit davon in deinen Gedanken], (etwas Schlechtes) vermutende Gedanken über die anderen, der Neid.“ Man fragte den Gesandten des Allmächtigen: „Und wo ist der Ausweg?“ Er (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) antwortete: „Wenn ihr ein [laut der Volkstradition] schlimmes Vorzeichen sieht, so biegt nicht vom Wege ab (lenkt darauf keine Aufmerksamkeit, geht weiter). Wenn über jemanden schlechte Gedanken entstehen, so macht sie nicht wahr (überprüft sie nicht, forscht ihnen nicht nach, lasst nicht eure Vermutungen in Erfüllung gehen). Und wenn der Neid entsteht, so bringt ihn nicht in Gang (tut nicht etwas Falsches, Sündhaftes demjenigen gegenüber, den ihr beneidet).“[26]
Der bekannte Gelehrte der ersten Generation al-Hasan al-Basri sprach: „Jeder hat einen Neid. Und wer ihn nicht in irgendwelche Formen von Unterdrückungen, Kränkungen, Anschlägen, Erdichtungen verwandelt, der unterlässt ihn (der erleidet wegen des Neides keinen Verlust).“[27]
6. Wonach muss man streben, um diese dem Menschenwesen eigene Eigenschaft zu bekämpfen?
Antwort. Der Gefährte des Propheten Muhammad Anas erzählte: „Wir (einige Gefährten) saßen einmal mit dem Propheten zusammen. Der Gesandte des Allmächtigen sagte plötzlich: ,Jetzt kommt der Mensch, der zu einem der Bewohner des Paradieses wird.‘[28] Da trat ein Mensch ein, von seinem Gesicht tröpfelten Wassertropfen nach der rituelle Reinigung. Er hielt in seiner linken Hand seine Schuhe [das heißt, Anas, der da anwesend war, wollte in diesem Menschen etwas Besonderes merken, bemerkte aber nur das Erwähnte]. Am nächsten und am dritten Tag wiederholte sich alles. [Am dritten Tag] stand der Prophet auf [, nachdem er über diesen Menschen dasselbe gesagt hatte, und ging weg]. Gleich darauf stürzte ‘Abdulla ibn ‘Amru ibn al-‘As (Sohn von ‘Amru ibn al-‘As) zum erwähnten Menschen.[29] Nachdem er ihn eingeholt hatte, rief der Junge: ,Ich habe mit meinem Vater gestritten und habe ihm gesagt, dass ich im Laufe von drei Tagen nicht nach Hause komme! Darf ich diese Tage bei euch zu Gast sein?‘ Der Mensch antwortete: ,Ja, natürlich.‘ “
Anas setzte fort: „Später erzählte uns ‘Abdulla, dass er bei diesem Menschen drei Nächte verbrachte. Und im Laufe dieser Nächte wachte dieser Mensch kein einziges Mal auf, um das Nachtsgebet (,Tahadschud‘) zu verrichten. Das Einzige (was einigermaßen bemerkenswert war) war, dass wenn er in der Nacht erwachte und sich in seinem Bett umdrehte, er den Allmächtigen Allah erwähnte und Ihn lobpreiste. Mit der Morgenröte erwachte er, um das Morgengebet (,Fadschr‘) zu verrichten. ‘Abdulla bemerkte auch, dass dieser Mensch (im Laufe dieser Tage) kein einziges Mal etwas Schlechtes gesagt hatte (er sprach nur Gutes). In diesen drei Tagen bemerkte der Junge nichts Besonderes und beschloss, den freundlichen Gastgeber zu verlassen. Beim Abschied erläuterte er ihm: ,Es war zwischen mir und meinem Vater kein Streit. Es handelt sich darum, dass der Gesandte des Allmächtigen dich (eindeutig und ohne Zweifel) zu den künftigen Bewohnern des Paradieses gezählt hat. Deshalb beschließ ich, dich zu beobachten und deinem Vorbild zu folgen. Aber ich bemerkte nichts Außerordentliches [etwas Zahlreiches, zum Beispiel, Fasten jeden zweiten Tag oder eine Vielzahl von zusätzlichen Gebeten]. Was könnte so einen hohen Lohn verursachen?‘ – Der Mann antwortete: ,Alles ist so, wie du gesehen hast.‘ – Als ‘Abdulla schon gehen wollte, rief dieser Gläubige ihm zu: ,Alles ist so, wie du gesehen hast, aber man kann dazufügen, dass ich nie in meiner Seele Bosheit halte und die Menschen wegen der Güter nicht beneide, die ihnen Allah geschenkt hat.‘ – ‘Abdulla rief: ,Eben dies hob dich auf solch ein hohes Niveau! Denn das ist unbeschreiblich schwer.‘“[30]
Wollen wir wiederholen. „Aber wenn zwei oder mehrere Menschen mit ihren Taten diesseits aktiv sind und mit ihren Herzen in die Ewigkeit streben (jeder Moslem muss bestrebt sein, ein solcher zu sein), so entsteht unter ihnen kein giftiger Neid. Es kann nur eine gesunde Rivalität entstehen, die zu keiner Sünde gehört, sie ist erlaubt und manchmal nötig (für die Entwicklung und das Gedeihen des Bereichs, in dem man arbeitet).“
Und weiter: Unter echten gelehrten, klugen und frommen Menschen entsteht kein Neid, da sie zur Erkenntnis des Allmächtigen, des Herrn der Welten, des Erschaffers allen Seins bestrebt sind. Und das ist ein bodenloser und grenzenloser Ozean, in dem es keine Enge gibt und es ist nicht nötig, um einen freien Platz zu kämpfen.
***
Einige weise theologische Äußerungen zum Thema:
„Man kann jeden beliebigen Menschen zufrieden stellen, außer einem Neider. Dieser wird nicht zufrieden sein, solange er den anderen nicht um die Güter bringt, wegen denen er ihn beneidet.“
„Ich habe keinen Unterdrücker, keinen Tyrannen gesehen, der selber nicht so unterdrückt wäre. Das ist ein Neider. (Der Arme) ist immer über die Erfolge anderer betrübt und atmet beschleunigt,“ sagte ‘Umar ibn ‘Abdul-‘Aziz.
„Der Heuchler schmeichelt dem Menschen (den er beneidet) und er lästert über ihn und verleumdet ihn in seiner Abwesenheit, und wenn dieser ins Unglück gerät, so freut er sich darüber und wird schadenfroh.“
„Wenn der Neider jemandes Wohl sieht, ist er erstaunt und überrascht. Und wenn er jemandes Fehler sieht, freut er sich darüber und wird schadenfroh.“
„Der Neider ärgert sich über den anderen und wird grundlos zornig und er wird gierig darauf, was er nicht besitzt.“
„Bemühe dich nicht, Liebe und Achtung dem zu zeigen, der dich beneidet. Er wird sowieso nicht deinen Edelmut ihm gegenüber entgegennehmen.“
„Wenn der Allmächtige über einen Menschen den Herrscher stellen will, der ihn nicht begnadigen wird, so wählt Er eben seinen Neider.“
„Einmal fragte man bei al-Hasan, dem Sohn von Imam ‘Ali: ,Ist es möglich, dass ein Gläubiger einen anderen beneidet?‘ Er antwortete: ,Erinnert ihr euch denn nicht an die Söhne von Ya‘qub (Jakob)? Ja (das ist möglich). Aber diese Eigenschaft befindet sich in der Seele (innerhalb eines Menschen). Sie wird ihm nicht schaden, solange er nicht einem anderen Menschen mit seinen Händen oder mit seiner Zunge Schaden zufügen wird.‘ “
„Der Neid ist eine unheilbare Wunde. Es ist dem Neider vollkommen genug, womit er (innerhalb und manchmal außerhalb seiner) zusammentrifft.“
Bakr ibn ‘Abdulla erzählte: Es lebte ein Mensch, der Zutritt zu einigen Herrschern hatte. Wenn er sie besuchte, kam er an sie heran und sagte leise: „Beeile dich, einen Menschen für seine edle Tat zu belohnen, aber beeile dich nicht, einen Schlechten zu bestrafen. Er bekommt jedenfalls das Seine (er wird über kurz oder lang sowieso bestraft).“
Ein anderer Mensch sah, wie man diesem Menschen gehorchte, und beschloss, ihm aus Neid zu schaden. Er kam zum Herrscher und sagte: „Der Mensch, der neben dir steht und etwas flüstert, erzählt den Leuten, dass es aus dem Mund des Herrschers stinkt.“ Der Herrscher fragte: „Wie kann ich mich davon überzeugen?“ – „Lade ihn das nächste Mal ein und merke dir, wie er seine Nase mit seiner Hand zudeckt, wenn er sich dir nähert.“
Nachdem der Übeltäter den Herrscher verlassen hatte, begab er sich sofort zu dem weisen Menschen und lud ihn zu sich ein. Er ging darauf ein. Das ganze Essen war mit Knoblauch zubereitet. Nach dem Essen begab sich der Weise zum Herrscher und wie üblich näherte er sich ihm und sagte: „Beeile dich, einen Menschen für seine edle Tat zu belohnen, aber beeile dich nicht, einen Schlechten zu bestrafen. Er bekommt jedenfalls das Seine (er wird über kurz oder lang sowieso bestraft).“ Der Herrscher sagte: „Komm näher heran!“ Er kam heran und deckte dabei seinen Mund und seine Nase mit der Hand zu, damit der Herrscher den Knoblauchgeruch nicht empfand.
Der Herrscher überzeugte sich von der Behauptung, als Konsequenz schrieb er einem seiner Untergeordneten einen Brief. Üblicherweise schrieb er in seinen Briefen nur das Gute, zum Beispiel, über die Übergabe eines Geschenkes an jemanden oder über eine Belohnung. In diesem Brief aber schrieb er: „Wenn zu dir dieser Mensch kommt, mache aus ihm einen mit Stroh ausgestopften Balg und schicke ihn mir.“ Der Weise nahm den Brief und begab sich nach der Bitte des Herrschers, ihn zuzustellen. Unterwegs begegnete er seinem neuen Freund, der ihn vorher reichlich bewirtet hatte. Der Freund fragte ihn: „Was ist das?“
„Der Brief des Herrschers, in dem wahrscheinlich von einem Geschenk für mich geschrieben steht.“
„Schenke ihn mir!“
„Bitte schön, er gehört dir“, sagte der Weise ohne bösen Verdacht.
Sein Genosse begab sich mit Freude zum Bestimmungsort. Nach der Ankunft übergab er den Brief. Als er von seinem Inhalt erfahren hatte, versuchte er zu beweisen, dass dieser Brief nicht ihm gehöre. Aber das Urteil des Herrschers wurde vollstreckt. Die Haut wurde mit Stroh ausgestopft und in den Palast geschickt.
Am nächsten Tag kam der Weise wie üblich zum Herrscher, der sich offenbar wunderte.
„Was ist mit dem Brief?“ – fragte er.
„Ich habe ihn dem Menschen geschenkt.“
„Dieser Mensch ist zu mir gekommen und hat über dich nicht sehr gute Sachen erzählt, dass du mich angeblich verleumdet hast.“
„Ich habe über dich so was nie gesagt“, antwortete der Weise.
„Warum denn hast du deine Nase und deinen Mund mit der Hand zugedeckt?“ – fragte der Herrscher erstaunt.
„Das war aus dem Grund, weil dieser Mensch mich vorher mit Knoblauch bewirtet hatte, und ich wollte nicht, dass du diesen Geruch empfindest.“
„Du hast recht mit deinen Ratschlägen. Nimm deinen Platz wieder ein! Der Übeltäter bekam, was er verdiente“, fasste der Herrscher zusammen.
Im Heiligen Koran ist gesagt: „Doch böse Pläne und Ränke (Verrat und Missetat) fangen nur ihre Urheber ein.“[31] Diejenigen, die davon wirklich betroffen sind, sind selber Missetäter, tückische Schlauköpfe oder Neider. Wir können das nicht immer merken, da wir zeitlich und räumlich eingeschränkt sind.
Arabische Dichter sagten über den Neid:
Die Augen eines eingefleischten Neiders werden dich jahrzehntelang überwachen,
Deine Fehler bemerken und deine Edeltaten verbergen und entwerten.
Er wird dich mit einem (verborgenen) Hass, aber lächelnd treffen.
Sein Herz ist geschlossen.
Der eingefleischte Neider zeigt die Feindschaft ohne gehörige Gründe.
Wenn er jemanden eines Verbrechens beschuldigt, wird er keine Rechtfertigungen und Beweisgründe in Betracht ziehen.[32]
Wenn ihr mich beneidet, werfe ich euch das nicht vor,
Vor mir gab es echt verehrte Menschen, die man auch beneidete.
Ich habe genug davon (von eurem Neid), aber da ist nichts zu machen.
Eine Vielzahl von Menschen stirbt am Hass gegen ihre Umgebung.
Wenn Allah etwas Edles, von anderen Verborgenes aufdecken will,
So verknüpft Er dazu spitze und scharfe Zungen der Neider.
Hätte das Feuer nicht verbrannt, was es erfasst,
So würden wir den Wohlgeruch von Aromastäbchen nie kennen lernen.
Auch:
Sei mit Ränken des Neiders geduldig, sie zerfressen ihn selber,
Das Feuer verbrennt sich selber, wenn es nicht etwas anderes findet (und erlischt ruhig).
***
Zusammenfassung. Man muss an seiner eigenen Persönlichkeit arbeiten[33], gerecht leben, um die Vergebung des Allmächtigen und Seine Barmherzigkeit diesseits und in der Ewigkeit zu verdienen.
Ein echter Weise kann die Weisheit und den Willen des Schöpfers in allem sehen, was mit ihm und um ihn geschieht.
Erbarme Dich unser, Allah, festige in unseren Herzen unseren Glauben, verstärke die Gerechtigkeit und die Nützlichkeit unserer Taten und erhebe unseren Verstand auf die Ebene der hohen und wolkenlosen Bestrebungen. Amin.
Moslemische Gelehrte sagen über hohe Ziele:
Wer nicht probiert, der erkennt nicht;
Wer nicht erkennt, der wird nicht leidenschaftlich wünschen;
Wer keinen Wunsch hat, der hat kein Bestreben (zu einem Ziel),
Und wer nicht erreicht, der bleibt unter den Entbehrenden, ganz unten.
„Und für den, der schlecht sieht (seinen Scharfsinn und seine Wachsamkeit verliert) und sich vom Gedenken an den Allerbarmer [vom Gedenken sowohl an Allah im Allgemeinen als auch an Seine Heilige Schrift im Einzelnen] abwendet, bestimmen Wir einen Satan, der zu seinem Busenfreund wird [der immer das Böse zuflüstern und immer irreführen wird].“[34]
Deshalb bist du, o Mensch, entweder mit dem Allmächtigen, der dich mit unzähligen Gütern beschenkt, oder mit dir ist Satan, der dir blauen Dunst vormacht. Treffe deine Wahl!
Siehe auch: al-Banna À. (bekannt als as-Sa‘ati). Al-fath ar-rabbani tartib musnad al-imam ahmad ibn hanbal asch-schaibani. B.10, Teil 19, S.238, 239, Hadithe ¹¹110-117.
Ausführlicher über sein Leben siehe, z.B.: Al-Buti R. Schachsiyat istaukafatni [Persönlichkeiten, die mich beeindruckten]. Damaskus: al-Fiqr, 1999, S.17-45; al-Kuschayri A. (376-465 nach der Hidschra). Ar-risala al-kuschayriya. Damaskus: al-Asad, 2000, S.59, 60.
Diese Erzählung wird manchmal als ein Hadith zitiert, aber es ist nicht eindeutig glaubwürdig. Siehe, z.B.: Zaghlul M. Mawsu‘a atraf al-hadith an-nabawi asch-scharif [Enzyklopädie der Grundlagen der edlen prophetischen Äußerungen]: in 11 B. Beirut: al-Fiqr, 1994, B.8, S.652; al-Qurtubi M. Al-Dschami‘ ahkam al-Qur’an. B.20, S.177.
In den Isnads vom einigen Riwayaten dieses Hadithes gibt es Überlieferer mit einem schlechten (oder mit einem nicht sehr guten) Ruf, was Muhaddithe betonten, indem sie dieses Hadith zitierten. Aber eine der Riwayaten (von Abu Hurayra) ist offenbar glaubwürdig, deshalb lassen die schwachen Riwayaten nicht über eine vollkommene Unglaubwürdigkeit des Hadithes sprechen. Außerdem gibt es viele Riwayaten und glaubwürdige Zeugnisse für dieses Hadith. Zumindest kann es als eine weise Belehrung wahrgenommen werden, die auf der Sunna des Propheten Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) begründet ist. Ausführlicher siehe, z.B.: at-Tabarani S. Al-mu‘dscham al-kabir. B.20, S.94, Erläuterungen zum Hadith ¹183; at-Tabarani S. Musnad asch-schamiyin. B.1; S.228-229; Erläuterungen zum Hadith ¹408.
Das Hadith hat in seinem Isnad eine Unwahrhaftigkeit, aber bekannte Imams, wie, zum Beispiel, Ibn Hadschar, al-Ghazali und andere erwähnten dieses Hadith, wenn sie über dieses Thema sprachen. Sie betrachteten es nicht als eine eindeutige prophetische Erzählung, sondern das, was eine Begründung hat (weil es nicht zum Auserdachten-mawdu‘ zählt) und als eine nützliche und praktische Weisheit verwendet werden kann.
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