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Romantik

Frage. Könnten Sie bitte diese Frage bantworten: Ist es schlecht oder gut, Romantiker zu sein? Und was ist Romantik im allgemeinen? Und wie steht es mit Nostalgie? Bitte antworten Sie auf diese Frage, es ist für mich wichtig. Danke. Sei Allah mit Ihnen zufrieden! A.

Antwort. Ein Romantiker zu sein heißt, heute ein bisschen besser als gestern zu werden, heute ein bisschen lebendiger zu werden, einfach zu lächeln, sich ein wenig Nostalgie[1], Verträumtheit zu erlauben, sich das Glück zu erlauben, ein lebendiger Mensch zu sein, sich Glauben zu erlauben, und diesen Glauben zu lieben, die Armseligkeit und die Scheuklappen aus ihren rostigen Angeln zu reißen, sich umzusehen und zu sagen: „Mein Herr, Du hast mir das Leben verliehen, und ich will es in aller seiner Schönheit sehen, alle seine Schattierungen sehen, alle seine Aromen einatmen, es durch alle Pfade vom Anfang bis zum Ende gehen (es sei sogar innerhalb meiner Stadt, meines Landes), es erkennen, es verstehen, es mit jeder Zelle meines Körpers und mit jeder Fiber meiner Seele tief empfinden, und zu Dir kraftlos vom Glück einer absoluten Hingabe zurückzukehren.”

Im heutigen, allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache, das Herz mit Liebe und Sehnsucht zu erfüllen, z. B. „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“.[2] Mit dem Wort Romantiker bezeichnet man einen Enthusiasten, einen Idealisten, einen Phantasten, einen Schwärmer, einen Träumer. Ein „hoffnungsloser Romantiker” – so sagt man über denjenigen, der sich trotz Bitternis der Niederlage, trotz einer Menge von Schwierigkeiten, trotz ihrer Dauer bewegt und von seinem Lebenskurs keinen einzigen Grad abweicht. Er steht auf, wenn die Anderen betrübt sind; er läuft, wenn die Anderen kriechen, aber das Wesentliche – in seiner Seele herrscht die Windstille des Glaubens, darin gibt es kein Jota von Bitternis und von Enttäuschung.

Man hält ihn beinahe für einen Mondsüchtigen, für den, der „nicht von dieser Welt ist”, doch ist solch ein Mensch sehr scharfsinnig, klug, vorsichtig. Er richtet sich nicht nach der Geziertheit und der Veränderlichkeit der öffentlichen Meinung und er ist fähig, im nötigen Fall seine Prinzipienfestigkeit und seine Standhaftigkeit zu zeigen. Er orientiert sich im Bruchteil einer Sekunde in einer beliebigen Lebensituation, buchstäblich zerreißt er mit seiner inneren Sehschärfe das Leben, nimmt es in beide Arme, packt es an seinen Hörnern. In diesem Zusammenhang gibt es bei ihm keine Gefühllosigkeit, keine Brutalität, keine Rohheit. Er ist weich, leicht im Umgang, er verzeiht immer (jedenfalls bleibt in seiner Seele kein negatives Nachgefühl). Er verwandelt sogar die schwersten Schicksalschläge in eine Energie der Widerstandsfähigkeit und verbreitet sie als positive Emotionen, mit denen seine Umgebung bereichert wird. Aber das Wesentlichste besteht darin, dass solch ein Moslem-Romantiker zu dem kompliziertesten Ding fähig ist, das Mut und Kraft fordert, d.h. er ist fähig, sich zu ändern, von Tag zu Tag, von Gebet zu Gebet, von Fasten zu Fasten zu wachsen, da er sich diese Pracht erlauben kann, falls in seinem Herzen … lebt.

 

[1] Nostalgie leitet sich ab von den griechischen Wörtern nostos (Rückkehr, Heimkehr, Vergangenheit) und algos (Schmerz).

Heute wird Nostalgie als eine von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit verstanden, die sich in der Rückwendung zu früheren, in der Erinnerung sich verklärenden Zeiten, Erlebnissen, Erscheinungen in Kunst, Musik, Mode u.a. äußert. Sie ist damit eine leicht wehmütige und verklärende Stimmung, der guten alten Zeit hinterherzutrauern, in der angeblich vieles schöner, besser, freundlicher war als in der Gegenwart: Beispiele dafür sind das goldene Zeitalter, die Antike, das Mittelalter, die Kaiserzeit, die Fünfzigerjahre.

Sieh: http://de.wikipedia.org/wiki/Nostalgie

Natürlich erlaubt der Gläubige der Vergangenheit nicht, seine Vorwärtsbewegung anzuhalten, die Gegenwart oder die Zukunft zu zerstören,  er fühlt  einfach eine Verbindung damit, wie er gelebt hat, da dies sein Leben ist und wo ein Teilchen von ihm bleiben wird, doch er, sein ganzes Wesen geht nach oben, sieht vorwärts, und während er aus einer Kurve herauskommt, so richtet er sofort seinen Blick auf die nächste Kurve und berechnet, wie er in diese Kurve besser und schneller hineingehen kann.

[2] Sieh: http://de.wikipedia.org/wiki/Romantik

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