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Das Paradies

Teil 2

 

Was Du willst [o mein Herr], das wird geschehen, selbst wenn ich das nicht will,

[Und umgekehrt] – was ich gern habe, wird nicht geschehen, wenn Du es nicht willst[1].

Du hast die Menschen mit der Absicht geschaffen, die nur Dir bekannt ist.

Und in Deiner Allwissenheit bewegen sich sowohl ein Jüngling[2] als auch ein Greis[3].

Unter ihnen sind Unglückliche und Glückliche[4],

Schlechte und Gute[5],

Einen hast Du mit Deiner Barmherzigkeit beschenkt, und einen anderen – ohne Unterstützung gelassen[6]

[aber es ist wichtig, wonach wir selber streben; da kann man nicht sich selber betrügen]…

                                                Imam asch-Schaf‘i.[7]

             

Das nachfolgende Thema ist vom Gesichtspunkt der Ewigkeit aktuell, und es ist auch im Zusammenhang mit der religiösen Aufklärung wichtig, da es eine begründete und geprüfte Ansicht darstellt, als Gegengewicht zu einer aufrichtig platten Interpretation, die von der Orientalistik gegeben ist.

Der Terminus „hurul-‘ain” ist äußerst kanonisch und wird übersetzt als „schöne Paradiesfrau mit unbeschreiblich ausdrucksvollen, entzückenden Augen”.[8]

Die Menschen, die mit ihren Gedanken nicht in die Ewigkeit gewandt sind, die sich nach Maßstäben des Weltlichen richten, sind nicht im Stande, den Sinn des mit diesem Thema verbundenen Erzählens zu begreifen.

 

Das Paradies.

Schöne Frauen für Männer und schöne Männer für Frauen

„Wir [sagt der Allmächtige, auf Seine Größe weisend] haben sie [das heißt Paare für die Bewohner und die Bewohnerinnen des Paradieses] in herrlicher Schöpfung geschaffen [mit dem Gottesbefehl „Sei!”, und sie sind blitzschnell erschienen, das heißt niemand hat sie geboren, aufgezogen, vorbereitet, wie es in unserem Leben geschieht]. Sie hatten früher keine intimen Beziehungen (sie sind Junggesellen/Jungfrauen). Sie äußern mit ihrem ganzen Zustand Sauberkeit, Wohlerzogenheit und Liebe [zu ihrer zweiten Hälfte], und sie sind alle Altersgenossen. Sie sind für die Bewohner (und für die Bewohnerinnen) des Paradieses bestimmt [für die Gläubigen, die den Vermächtnissen der Propheten und der Gottesgesandten ihrer Zeit folgten, und die auf dem Planet Erde seit der Zeit des Propheten Adam und bis zu den letzten Minuten der Existenz der Menschheit lebten].” (siehe, den Heiligen Koran, 56:35-38).

Es ist wichtig zu verstehen und zu begreifen, dass weltliche Kriterien, lasterhafte Empfindungen und Stimmungen hier ungehörig sind. Parallelen mit Bordellen und ungeordneten sexuellen Praktiken – Unsinn und Schwachsinn. Noch einmal erinnern wir: „Wenn es im weltlichen Heim etwas gibt, was zum paradiesischen Heim gehören könnte, so sind das nur Bezeichnungen.“[9] Die Natur, das Wesen, die Zusammensetzung, der Geschmack, der Geruch, die Abarten, der Effekt sind ganz andere.

 

Der Unterschied zwischen der Ehefrau (dem Ehemann)
und der schönen Paradiesfrau (dem schönen Paradiesmann)

Man fragte den Propheten Muhammad (Allahs Friede und Segen sei mit ihm): „Wer ist schöner: die Frau aus dieser Welt [die aktiv und gerecht ihr Leben lebte und nach der Barmherzigkeit des Schöpfers ins Paradies eintrat] oder schöne Paradiesfrauen [die nach glaubwürdigen prophetischen Beschreibungen ungewöhnlich schön sind]?”

Der Prophet antwortete: „Die Frauen aus dieser Welt [wenn sie im Paradies sein werden] sind herrlicher, als schöne Paradiesfrauen. [Und nach einem bildlichen Vergleich sind die ersten wunderbarer als die zweiten,] ebenso wie sich die äusserliche Gestalt von der inneren unterscheidet. [Und wie riesengroß ist der Unterschied zwischen der äusserlichen Schönheit eines Menschen und dem, wenn er auf die linke Seite gekehret ist!].”

„Und warum ist das? [Wahrscheinlich waren sie im weltlichen Heim nicht so schön, aber warum werden sie im Paradies auf solche unvorstellbare Niveaus der Schönheit und der Feinheit gehoben?]” – fragte man ihn.

„Das ist für ihre Gebete, für ihr Fasten und für ihre Anbetung an den Allmächtigen Schöpfer,” – erklärte der letzte Gottesgesandte.[10] 

 


[1] Es ist hier wichtig zu verstehen, dass diese Zeilen nicht einen Faulenzer schildern, der über religiöse Themen klugredet, sondern den, der aus sich und aus dem Leben alle Kräfte herausholt, um für sich und für andere maximalen Nutzen zu ziehen, der „sich zuwider“, entgegen seinen Vorstellungen des Guten und des Bösen  vorwärts gehen kann. Diese ähneln den Kunstwissenschaftlern Gottes, die Ihn durch das reale Leben, genauer – durch Probleme und Schwierigkeiten erlernen. Sie können das Geschehene als eine Gegebenheit annehmen und sie gehen mit einer ganz ruhigen Seele vorwärts, ohne in Kraftlosigkeit zu verfallen.

[2] Voll von Jugendromantik, bald naiv, bald kompromisslos und voll von waghalsigem Mut, die Welt selbstständig zu erkennen, zu erobern, sich aufzuzeigen...

[3] Der das Leben kennen lernte, voll von grauen Haaren der Lebenserfahrung, er sitzt nach dem Gebet und rührt melancholisch in Gedanken Marksteine längst vergangener Jahre…

[4] Der Sinn besteht hier aber darin, dass alle gleiche Chancen haben, entweder unglücklich oder glücklich zu sein.

[5] Jedermann ist auf seine Weise gleichzeitig gut und schlecht, aber in einem überwiegt das erste, und im anderen – das zweite.

[6] Die Fähigkeit, frei zu atmen, ist schon eine Äußerung der ungeheueren Barmherzigkeit, aber verstehen wir das so oft? Wir sind in unsere Emotionen versunken und entkräften uns mit ihren giftigen Gasen, aber wir wünschen hartnäckig nicht die frische Luft des Lebens einzuatmen, im Laufe des ganzen weltlichen Wegs lernend, fallend, aufstehend und uns von neuem bewegend, uns strebend, vorwärts zu gehen.

[7] Siehe: Ihsan ‘Abbas. Diwan asch-schafi‘i [Die Gedichtesammlung von Imam asch-Schafi‘i]. Beirut: Sadir, 1996, S.63.

[8] Das weltliche Axiom: „die Augen sind der Spiegel der Seele” nähert sich dem Verständnis, aber wie weit ist es bis zum Begreifen jener paradiesischen Wahrheit auf allen Ebenen der Seele und der Vernunft.

[9] Siehe, z.B.: Az-Zuhajli V. At-tafsir al-munir, B.1, S.115.

[10] Siehe: Az-Zuhaili V. At-tafsir al-munir. B.1, S.116; al-Mu‘dscham al-‘arabi al-asasi [Das fundamentale Bedeutungswörterbuch der arabischen Sprache]. Das Ministerium für die Erziehung, die Kultur und die Wissenschaften: Larus, S.362.

 


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