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Hoffnung wie Gebet

 

Respekt den Herzen

Erinnerungen, Gedanken, Gefühle steigen aus der Tiefe der Seele und ergreifen sie völlig. Eine heiße Träne der Hoffnung und der Trauer fliesst über die Wange und fällt hinunter. Die Hände sind im Flehen gehoben als bringen sie die Seele hoch, in der nur eine Kerze glimmt. Die Lippen bewegen sich kaum, sie wiederholen ein lebendiges Gebet der Hoffnung in der Sprache, die nur Ihm und ihr selber bekannt ist. Es ist Tag geworden und da leuchtet an den Lippenwinkeln ein Lächeln. Das Lächeln des lebendigen Glaubens, des gehörten Herzens und des Traumes, der sich unbedingt zur Wirklichkeit verwandeln wird, man muss sich nur Mühe geben.

Es gibt solche Worte, nachdem man sie gesprochen hat, wird es in der Seele besonders hell, zart und gleichzeitig traurig. „Die Hoffnung“ ist eines davon.

 

Avers[1] der Hoffnung

„Wie kann ich weiter leben, wenn ich des Lebens überdrüssig bin? Ich bin 27 Jahre alt, ich habe keine Familie, keinen Mann, keine Kinder. Die Arbeit nimmt meine ganze Zeit in Anspruch, ich arbeite nur, um ein bisschen Geld zu verdienen, ich bin ganz verzweifelt”. Swetlana. – Das Leben ist so, wie wir es wahrnehmen, wie wir uns dazu in tiefster Seele verhalten, indem wir mit Geduld Unumkehrbares überwinden und mit Hoffnung auf das Beste leben, falls nicht in der Weltlichkeit, dann in der Ewigkeit. Der erste Schlag, den ein Mensch von bösen Kräften bekommt, wenn er durch Schwierigkeiten geht, ist die Verzweiflung. Das ist das einfachste schmerzhafte Verfahren der angesehenen Koryphäe[2] der menschlichen Natur gegen die Seele. Danach folgen andere. Wenn der Mensch diesen Schlägen ausweicht, ohne zu leiden, ohne sein Wesen mit negativen Emotionen zu beflecken, indem er sich in seinem Leben mit dem Namen des Schöpfers und mit der Frömmigkeit im Herzen trotz allem vorwärts bewegt, dann erwartet ihn unbeschreiblich viel Gutes in der Weltlichkeit und in der Ewigkeit. Wir wollen meistens alles mühelos und ohne Schwierigkeiten bekommen, aber das weltliche Leben hat andere Regeln und wir können sie nicht ändern. Es ist besser für uns, sie zu verstehen, sie zu verwenden und mit Vergnügen und Freude zu leben.

Ja, es ist leicht, darüber zu reden, aber doch ist es interessant, das zu verwenden. Es sind hier die Weichheit und die Flexibilität wichtig, auch die Weichheit und die Flexibilität des Bewusstseins. „Es scheint mir, dass alles herum zusammenbricht und dass ich keine Unterstützung habe, dass alles, woran ich geglaubt habe und was ich geliebt habe, sich unwiderruflich ändert! Ich habe Angst, es ist furchtbar, von den von mir geliebten Menschen enttäuscht zu werden. Ich verstehe, dass man zu Gott beten und Ihn um die Hilfe bitten muss, aber ich bin zerstreut geworden, ich fühle, dass meine Arbeit mir überhaupt nicht interessant erscheint, ich halte mich von meinen Freunden fern, es scheint mir, dass ich bald verlerne, zu lachen und mich über das Leben zu freuen. Aber gibt es trotzdem eine Hoffnung, dass alles Schlechte irgendwann zu einem Ende kommt? Und was verloren ist, ist nicht mehr zurückzugewinnen“! Mariama. – Wir verlieren ständig etwas – und wir erwerben ständig etwas. Das Leben ist wie das Gesetz der kommunizierenden Gefäße: wenn es in einem abnimmt, so nimmt es im zweiten zu. Stress, Niederlage, Trauer sind unabdingbare Bestandteile des Lebens, aber nur derjenige bewältigt sein Leben und hinterlässt eine würdige Spur, der sie mit der Hoffnung zu überwinden versteht. Das bedeutet aber nicht, zu einem „dickhäutigen Panzerkreuzer” zu werden, sonst wird die Fähigkeit verloren gehen, feine Materien zu empfinden. Das ist der Aufruf zu hoffen und folglich – zu glauben. Die Hoffnung gibt Kraft, wenn es scheinbar keine mehr gibt. Das Ziel ist erreichbar, die Hoffnung ist realisierbar, solange der Mensch nicht anfängt, die Gnade des Schöpfers zu ihm durch seinen Pessimismus zu beschränken, solange er die Allmacht Gottes durch die Aufgabe der Hoffnung und seiner Bestrebungen nicht ableugnet. Als eine Ermahnung an den Menschen, die Schwäche seiner Natur berücksichtigend, gibt es im Heligen Koran folgende Zeile: „Verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit”! (siehe, den Heiligen Koran, 39:53).

 

Andere Hoffnungen

Niemals hoffe ohne Verzweiflung und niemals verzweifle ohne Hoffnung. P.Boiste.

 

Die Hoffnung ist der Rest, der aus dem Kelch der Bitternis ausgetrunken wird. A.Pérez.

 

Die Hoffnung ist der Stab der Liebe: mach dich damit auf den Weg gegen die Einflüße der Verzweiflung. W.Shakespeare.

 

Die Hoffnung, diese Amme der Unglücklichen, die der Menschheit wie eine zarte Mutter zu ihrem kranken Kind gegeben ist, schaukelt sie auf ihren Händen, gibt ihre unversiegbare Brust, damit sie Milch trinkt, die ihre Trauer stillt. François-René de Chateaubriand.

 

Die Hoffnung ist das einzige Gut, wovon man nicht übersättigt sein kann. Luc de Clapiers de Vauvenargues.

 

Revers[3] der Hoffnung

Die Hoffnung hat einen geschickten Doppelgänger-Plagiator – die Illusion. Wenn sie einen Menschen in ihre Welt einführt, so lässt sie ihm keine Chance, das Geschehene nüchtern einzuschätzen. Sie bringt die Menschen um das Wertvollste – um die Fähigkeit zu glauben, zu fühlen, selbstständig zu denken. Sie lässt Lebensschwierigkeiten vergessen, indem sie Ruhe und Glück verspricht, aber doch „nur eine unermessliche Trauer oder eine unermessliche Freude sind fähig, dein [o Mensch] wahres Wesen zu entfalten“.[4] Wie oft vergessen wir das, indem wir vor uns selber, vor verschiedenen Problemen, vor Not fliehen. Das Leben ist in sämtlichen Erscheinungsformen schön, sogar wenn es scheint, dass der Schmerz nicht zu überwinden ist. Wir versuchen, mit einer „süßen Pille” Wunden des Herzens zu betäuben; wir möchten nicht die Situation so annehmen, wie sie ist, wir fürchten, verlassen zu sein, wir haben Angst vor Veränderungen, vor einer Ungewissheit, vor der Zimperlichkeit der Missbilligenden. Wir kneifen unsere Augen zu und binden mit anrüchigen Regeln der fremden Spiele unser Leben und das Leben derjenigen, die von uns abhängen. Wie oft lässt uns eine illusorische Hoffnung der Selbstsucht die dümmsten Fehler begehen, aber „eine Enttäuschung kann auch zu einer Errungenschaft [zu einem Sieg] werden”[5].[6]

Eine wahre Hoffnung gibt immer noch eine Chance – nicht etwas zu ändern, sondern zurückzukehren und die liebenden Augen mit unverwandtem Blick anzusehen, noch zärtlicherer zu sagen, noch stärker zu umarmen. Das heißt, zurückzukehren und dasselbe zu tun, aber – besser.

Wenn du es dir erlauben kannst, über deinen eigenen Lebensweg offen zu gehen, indem du deine Wahl entschlossen triffst, ohne Angst, Fehler zu machen, wenn du der Hoffnung vertraust, wenn du dich selber suchst, wenn du das Leben entfaltest, wenn du anderen verzeihst, so wird deine Hoffnung, wie auch dein ganzes Leben, zu dem Gebet, das keine Hindernisse kennt, und das ist für dich genug.

 

Eine sprechende Stadt

Es war der letzte Sommer, den der Junge in der Stadt verbrachte. Die Stadt war in Grün gebettet, sie schenkte ihren Bewohnern unvergleichlich sonnige Tage und kühle Abende, viel Lächeln und Glück. Es war eine ungewöhnliche Stadt der Träume, des Glücks und der Hoffnung. In dieser Stadt lebte ein gewöhnlicher Junge, aber er konnte eine besondere Sprache sprechen und sie verstehen. Oft stand er auf dem Fußweg der größten Strasse und beobachtete den Autostrom und die Fußgänger, aber am meisten liebte er während des Sonnenuntergangs zu schauen, wie sich laufende Lichtflecke der Autoscheinwerfer in Obusleitungen wie Neujahrsgirlanden widerspiegelten, die Ihre Majestät „City“ schmückten. Er liebte, sich abends unter eine von drei weitverzweigten Weiden zu setzen und von dort helle Sterne zu betrachten, die Stille einzuatmen und lehrreiche, freundliche und manchmal lustige Erzählungen der Stadt anzuhören, wie ihr Tag vergangen war. Damals hörte der Junge wie auch viele Erwachsene Hinweise der Besorgnis in der Rede der Stadt nicht. Das war ihr letzter gemeinsamer unvergesslicher Sommer. Der Junge wurde fortgeführt und im Herbst erkrankte die Stadt an Bränden und Feuern des menschlichen Übels. Der Junge weinte, aber er konnte nichts ändern, er war weit weg, er hatte sogar nicht geschafft, sich von seinem Abendlehrer zu verabschieden, weil er bei der Abreise sicher gewesen war, dass er kurz danach ihn von neuem sehen wird.

Seit dieser Zeit sind zwölf komplizierte und lange Jahre vergangen, der Junge ist gewachsen. Wahrscheinlich wird er nicht bald in die Stadt seines Traums zurückkehren, aber die Stadt hat ihm ein Teilchen von sich gegeben, sie hat in ihm für immer jene laufende Lichtschimmer der Hoffnung gelassen, sie hat ihn gelehrt zu glauben, sie hat ihm Standhaftigkeit und Mut beigebracht. Die Stadt wurde grau, auf ihrem Gesicht und in ihrer Seele erschienen viele Schrammen und Narben, aber sie verzweifelte niemals. Während der bittersten Zeiten hob die Stadt aus den Ruinen ihr Antlitz zum Himmel und keine Rauchschwaden und Staubwolken konnten ihr Gebet verdecken, weil ihr Gebet eine Hoffnung des Lebens war, und das Leben ist heilig.

Das gleichmäßige Brummen des Motors treibt seinen Fahrgast durch einen abendlichen Strom der Autos zum hohen Minarett, das von der grössten Strasse aus sichtbar ist, und reißt aus seinen Lippen Worte jenes Gebets ab. Das ist schon eine andere mit Millionen Neon-Lichter glitzende und vor Leben strotzende Stadt. Aber die „sprechende Stadt” bleibt für immer in den Herzen vieler Jungen und Mädchen, die sie erzogen hat, die in verschiedene Ecken der Welt ausgewandert sind und den Anderen die Fünkchen der Hoffnung und des Lichtes schenken und das Beste bringen, das sie damals in ihrer Kindheit gelernt haben.

 

Das Leben fortsetzen!

Man sagt, die Hoffnung sterbe zuletzt. Wahrscheinlich ist es so, denn sogar im verzweifeltesten Augenblick des Übergangs der Seele aus dem vergänglichen Dasein in die Ewigkeit überfüllt die Hoffnung einen Gläubigen, sie wird so groß, dass sie, indem sie sich wie das Aroma der Seele auf den Göttlichen Segen richtet, teilweise bleibt, fortsetzend zu leben.[7]

                                                                                                                                                                                  Idee des Themas: Dshanchontow Elssi

 

[1] Avers ist die Bezeichnung für die Vorderseite einer Münze im Gegensatz zur Rückseite (Revers). Das französische Wort bedeutet „nach vorn gewandt“.

Sieh: http://de.wikipedia.org/

[2] Die Verzweiflung ist die erste Waffe des Satans, die er gegen einen Menschen verwendet.

[3] Revers ist die Kehr-, bzw. Wappenseite der Münzen, entgegengesetzt der Vorderseite oder dem Avers.

[4] Halil Dshebran.

[5] ‘Ali ibn Abu Talib, der Vetter des Propheten Muhammad. Eine der berühmten Personen, die ihre Kräfte und ihr Leben dem Dienst, dem Glauben, der Heimat und den Menschen gewidmet hat.

[6] Ein beliebiger Schritt ist ein Sieg. Lǎozǐ.

[7] Die Hoffnung, die uns das ganze Leben begleitet, verlässt uns sogar in unserer Todesstunde nicht. – A.Pope.

Einmal besuchte der Gesandte des Allmächtigen (Allahs Friede und Segen sei mit ihm) einen jungen Mann, der im Zustand der Todesagonie war. Er fragte: „Wie bist du?” Der junge Mann sagte: „Ich fürchte mich vor der Verantwortung für meine Sünden und ich hoffe auf die Gnade meines Herren”. Dann sagte der Prophet folgende Worte: „Die Anwesenheit dieser zwei Gefühle im Herzen eines Gläubigen vor seinem Tod hat zur Folge, dass der Allmächtige ihn mit dem Gewünschten beschenken wird und davor sichern wird, wovor er Angst hat“. Siehe: Harun ‘A.Tahsib Ichja ‘ulum ad-din [Eine abgekürzte Variante des Buches von Imam Al-Gasali „Das Wiederbeleben der Wissenschaften über den Glauben”]. Kairo: at-Tawsi‘ wa an-naschr al-islamija, 1997, S. 452.


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