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Angst

 Angst: beklemmendes, banges Gefühl, bedroht zu sein.[1]

 

Weisheit der Jahrhunderte

Wahrlich, denjenigen, die gläubig sind und gute Werke tun und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, denen ist ihr Lohn von ihrem Herrn (gewiss,) und sie brauchen keine Angst zu haben noch werden sie traurig sein. Der heilige Koran, 2:277.

In einem glaubwürdigen Hadith ist gesagt: „Der Allmächtige hat verkündet: „Ich schwöre bei Meiner Größe. Ich werde zwei Ängste und zwei Sicherheiten für Meinen Diener unterscheiden. Demjenigen, der vor Meiner Strafe im Dasein Angst hat [d.h. seine Worte und seine Taten sind aufrecht als Ergebnis seiner bewussten Ehrfurcht vor Gott], garantiere Ich eine Sicherheit im Jenseits. Wer von seiner vollkommenen Sicherheit und seiner Unabhängigkeit von Mir im Dasein überzeugt ist [was ihm erlaubt, ohne Angst vor Strafe Sünden und Verbrechen zu begehen], so wird derjenige Angst im Jenseits verspüren”.[2]

 

Angst (eine tierische Angst) ist nichts anderes als der Entzug der Hilfe der Vernunft.

 

Angst beherrscht uns mehr als Hoffnung. É.Condillac

 

Das Leben ruft eine Angst hervor und die Menschen fliegen in vollem Galopp auf ihrem Rücken wie im Schlaf. Abu l-'Ala al-Ma'arri

 

Die Angst entzieht vielen ihr Aplomb[3],

Versetzt sie für lange Zeit in eine Prostration,

Und der Geruch von beiden ist

wie von einer in die Kanalisation geratenen Bombe.

E.Sevrus[4]

Die Angst ist gar nicht in der Gefahr, sie ist in uns selbst. Stendhal

 

 

Angst im Leben der Gottesgesandten

 Indem man über Propheten und Gottesgesandte spricht, muss man berücksichtigen, dass sie in erster Linie Menschen waren, aber dabei mit Hilfe Gottes als Bestätigung ihrer Missionen die Wunder vollbrachten, die offenbar von außerhalb der irdischen Gesetze kamen. Das heißt, Angst als unabdingbares Gefühl des weltlichen Daseins war in ihren menschlichen Seelen anwesend, aber das war keine tierische Angst, die die Tätigkeit eines Menschen unterjocht und lahmlegt, sondern eine Vorsicht, eine Voraussicht in ihren Handlungen hinsichtlich der Wichtigkeit der ihnen auferlegten Mission – des Aufrufs zur monotheistischen Weltanschauung und zum Humanismus, der Entwicklung der Geistigkeit und des moralischen Wohlstandes. Zum Beispiel, als die Engel in einer Menschengestalt Abraham besuchten, die ihm später eine frohe Nachricht über die Geburt seines ersten, dann seines zweiten Sohnes mitteilten, so wurde er aufmerksam, fühlte etwas nicht Gutes, als er bemerkte, dass seine Gäste das reiche Essen nicht angerührt hatten.[5] Aber nachdem er von ihnen Erklärungen bekommen hatte, beruhigte er sich.

           

 

Welche Empfindungen hat man während der Angst

 Ein unwissender Mensch kann durch Angst lahmgelegt werden und seinen Verstand verlieren, er kann unüberlegte und folgenschwere Schritte tun. Der Gläubige bemüht sich aber, in seiner Seele Ruhe und in seinem Kopf Klarheit zu bewahren, er analysiert die Lage der Dinge, bringt alle Sachen in Ordnung und – geht vorwärts mit vollen Segeln der Göttlichen Gnade.

(1) „Fürchtet euch nicht; denn Ich bin mit euch beiden [sagt der Herr der Welten]. Ich höre und Ich sehe“. (siehe, den Heiligen Koran, 20:46). Diese Worte waren dem Propheten Mose und seinem Bruder eingeredet worden, als sie zum gefährlichsten Menschen jener Zeit, zum Pharao, gesandt wurden.  Dieser Besuch hätte ihnen dasLeben kosten können. Die Vernunft warnte vor Gefahr, aber diese göttliche Offenbarung, die sie begriffen hatten, wandelte ihre Wahrnehmung der Realität und ihr Verhalten zur Wirklichkeit. Der Dialog fand statt.

Der Gläubige berücksichtigt die absolute „on-line“ Informiertheit des Schöpfers und um so mehr – Seine Kontrolle und Seine Macht über allem und über alles und er hat deswegen mehr Chancen, bei Gefahren und angenommenen oder offensichtlichen Besorgnissen nur die geringsten Verluste zu tragen.

(2) „Fürchte dich nicht; wahrhaftig bist du ihnen zweifellos überlegen [in jeder Beziehung übertriffst du sie].” (siehe, den Heiligen Koran, 20:68). Dies wurde Mose im Moment eingeredet, als die bekanntesten Zauberer seiner Zeit ihre „zauberhaften” Stäbe und Stricke belebten, indem sie die dem breiten Publikum wenig bekannten Gesetze der Natur verwendeten und die Sehwahrnehmung der Anwesenden bezauberten. In der Atmosphäre dieser illusorischen Wahrnehmung befand sich auch Mose. Er fühlte etwas nicht Gutes, seine Besorgnis über seine Möglichkeiten nahm zu. Aber mit dem Erscheinen der erwähnten Worte in seinem Bewusstsein („bist du ihnen zweifellos überlegen”) änderte sich seine Wahrnehmung der Wirklichkeit und die Einschätzung seiner Möglichkeiten. Er warf seinen Stab auf die Erde, dieser wurde in die Schlange verwandelt und schluckte alle „zauberhaften” Erscheinungen.

Ja, es ist wichtig, über der Situation zu stehen, dem psychologischen Druck von verschiedenen Ängsten zu entgehen und dadurch sich, seine Wahrnehmung der Umgebung und auch die Wirklichkeit zu ändern und darin seine positive und aussichtsreiche Stelle zu findend. Bei solch einem Herangehen und solch einer Handlung gibt das Dasein nach und lässt zu, einen Schritt vorwärts zu machen, und der nächste Sturmangriff der Angst wird schmerzlos und leicht überwunden. Und nach Lobpreisen Gottes kann man seinen Weg fortsetzen und voller Zuversicht in die Zukunft blicken.

 

Angst – eine der weltlichen Prüfungen

Der Allmächtige Allah sagt: „Und gewiß werden Wir euch prüfen [Wir werden euch durch ungewöhnliche und unangenehme Umstände durchführen und so durch eure Reaktionen, euer Benehmen und euer Verhalten das Wesen eurer Seele und euer Begreifen der Wirklichkeit aufzeigen] durch etwas Angst [wenn in eurer Seele Unruhe über etwas zunehmen wird; wenn das Angstgefühl erscheint und die ruhige und wie ein Fluss fließende Wirklichkeit in einen erschreckenden und todbringenden Wasserfall, in einen Abhang der Hoffnungslosigkeit scheinbar sich verwandelt], Hunger [einen geistigen oder einen physischen] und Minderung an Besitz, Menschenleben [eurer Verwandten] und Früchten [indem Wir euch Ergebnisse eurer Arbeit, eurer Tätigkeit entziehen werden]. Doch verkünde [o Prophet] den Geduldigen [die fest, standhaft, beharrlich, hartnäckig, stabil und ständig sind] eine frohe Botschaft, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Innaa lil-laahi wa innaa ileihi raadshi’uun“ – „Wir gehören Allah (dem Herrn der Welten) [unsere Körper, Ideen, Bestrebungen, Absichten, positive Ambitionen, Wissen, unser Wohlstand sind Sein Eigentum] und zu Ihm kehren wir zurück.“ [Verluste oder Schwierigkeiten bedeuten kein Ende des Lebens, es setzt sich fort. Wenn wir etwas in einem verlieren, so findet wir es in einem Anderen. Man muss eine Krisenphase würdig durchgehen und seinen Weg fortsetzen, ohne das Tempo zu verlangsamen] Auf diese [Menschen mit solch einem Herangehen zu Erschütterungen, die ihr Tempo nicht verlangsamen, sondern es beschleunigen] lässt ihr Herr Segnungen und Barmherzigkeit herab und diese werden rechtgeleitet sein. [Im Leben eines jeden Menschen gibt es verschiedene Wege. Es ist nicht einfach, auf jedem Kreuzweg eine richtige Wahl zu treffen, das erfordert eine Fertigkeit, eine Wachsamkeit, eine genaue Berechnung, einen weisen Ratschlag und – eine richtige herzliche Stimmung].“ (siehe, den Heiligen Koran, 2:155-157). Übrigens kann man die erwähnten Formen der Prüfung leicht in den Kontext der Worte stellen: „es ist nicht das wichtig, was geschieht, sondern das, wie wir es wahrnehmen“.

 

Fest zu glauben und sich zu finden

Der Glaube und das richtige Herangehen zu weltlichen Schwierigkeiten und Gefahren härten einen Menschen ab und können ihn auf ein ziemlich hohes metaphysisches Niveau erheben: „Wahrlich, diejenigen, die (1) sagen: „Unser Herr ist Allah (Gott, der Schöpfer)“, und die (2) sich dann [nachdem sie sich im Leben gefunden haben, ein Handwerk, einen Tätigkeitsbereich ausgewählt haben] aufrichtig verhalten [die durch ihre vortrefflichen Taten, Bestrebungen, durch ihre Richtigkeit und ihre Ergebenheit der Sache ihre Gläubigkeit bestätigt haben] – zu ihnen steigen die Engel [der Gnade des Allmächtigen] nieder [und sprechen]: „Fürchtet euch nicht und seid nicht traurig [schadet euch nicht durch Ängste und  Betrübtheit. Angstlos, aber vorsichtig geht steile Kurven eures Lebenswegs], und erfreut euch des Paradieses, das euch verheißen wurde [falls ihr sittsam leben könnt und der Gnade des Schöpfers würdig sein werdet]. Wir [setzen die Engel fort] sind eure Beschützer [eine sichere Unterstützung und eine Stütze für euch] im irdischen Leben und im Jenseits ewig [jetzt sind wir für immer mit euch, falls ihr auf niedrigere Stufen des Daseins und des Verhaltens zu euch selbst, zu anderen, zum Leben nicht fallt]. Im Paradies werdet ihr alles haben [wenn es dafür die Gnade des Allmächtigen geben wird], was ihr euch wünscht, und in ihm werdet ihr alles haben, wonach ihr verlangt; (dies ist) eine Bewirtung von einem Vergebenden, Barmherzigen.“ (siehe, den Heiligen Koran, 41:30-32); „Wahrlich, die (1) sagen: „Unser Herr ist Allah (Gott, der Schöpfer)“ und die (2) danach [nachdem sie sich im Leben gefunden haben, ein Handwerk, einen Tätigkeitsbereich ausgewählt haben] aufrichtig bleiben [die durch ihre vortrefflichen Taten, Bestrebungen, durch ihre Richtigkeit und ihre Ergebenheit der Sache ihre Gläubigkeit bestätigt haben] – keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie traurig sein [diese schweren Gefühle und Empfindungen werden durch ihre Willenskraft, ihren Glauben und ihren Optimismus minimalisiert]; diese sind die Bewohner des Paradieses [falls sie zielbewusst und sittsam leben können]; darin sollen sie auf ewig verweilen, als Belohnung für das, was sie zu tun pflegten“. (siehe, den Heiligen Koran, 46:13-14).

Das menschliche Leben ist voller Möglichkeiten. Die Fähigkeit, das Mosaik der Möglichkeiten in ein einheitliches Bild des positiven Ergebnisses zu sammeln, ist nicht jedem gegeben. „...für das, was sie zu tun pflegten”: das heißt, was sie gelernt, begriffen und in ihrem Tätigkeitsbereich verwendet haben und dadurch eine Spur gelassen haben, indem sie das Dasein ein bisschen gefördert haben. Ja, das Leben ist kein Ponyhof. Man muss viel Positives und Nützliches säen, um im Jenseits nicht die bitteren Stacheln der Hölle als eine gezüchtete „Ernte“schlucken zu müssen, sondern das lebendige Wasser zu genießen und unvorstellbare paradiesische Güter zu schmecken.

 

Und zum Schluss

Man kann sich von der Angst nicht vollkommen befreien, man kann sie nur eindämmen, regulieren und in den Zustand des Flehens und der Bestrebung zum Herrn der Welten verwandeln. Dieser Gegensatz der Angst zu einem willensstarken Wunsch, weiter zu gehen, zeigt dem Menschen sein Wesen, seine Wohlerzogenheit und seine Beherrschtheit auf. Er begleitet ihn im Laufe seines ganzen Lebens. Der vernünftige Mensch begreift das und bemüht sich, seine emotionale und geistige Form auf einem hohen Niveau zu unterstützen, quält sich nicht mit der Erwartung des Endes des „Sternkrieges” im Raum seiner Seele, sondern geht vorwärts, indem er bereit ist, einem unerwarteten Schlag oder Angriff auszuweichen oder auf einen übersehenen Schlag zu antworten.

„Die [ehemaligen, im Dasein gewesenen] Freunde werden an jenem Tage [am Tag der Abrechnung] einer des anderen Feind sein, außer den Gottesfürchtigen. [Und der Allmächtige wird Sich zu den Frommen wenden:] „O Meine Diener [die das Leben verstanden haben und weltliche Hindernisse überwindend nur den einzigen Gott, den Schöpfer angebetet haben]! [Kämpfe um die geistige und psychologische Überlebensfähigkeit sind zu Ende.] Keine Furcht soll euch an diesem Tage bedrücken, noch sollt ihr traurig sein [diese zwei komplizierten Gefühle-Prüfungen wie Angst und Trauer sind beendet, sie haben für immer eure Seelen verlassen und werden euch im Paradies nicht beunruhigen]“. (siehe, den Heiligen Koran, 43:67, 68).

 

[1] Siehe: Duden. Das Bedeutungswörterbuch. 3., neu baerbeitete und erweiterte Auflage. Band 10. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2002, S.90.

[2] Siehe: As-Samarkandi N. Tanbih al-ghafilin [Erwachen der Sorglosen]. Ägypten: al-Iman, 1994, S. 304, Hadith ¹586, „hasan”.

[3] Das Aplomb (vom lateinischen plumbum, Blei, Senkblei, im Französischen aplomb oder auch à plomp, senkrecht) ist ein prägnanter Ausdruck für eine gerade, sichere Haltung, ein sicheres Auftreten, Nachdrücklickeit in der Rede, Gelassenheit bis hin zur Dreistigkeit. Sieh: http://de.wikipedia.org/wiki/Aplomb

[4] Sevrus (Borochow) Eduard Aleksandrowitsch – der russische Literat.

[5] Ausführlicher siehe: den Heiligen Koran, 11:69-71.


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