Artikel

Langeweile

 

Langeweile: Gefühl der Eintönigkeit infolge fehlender Anregung oder Beschäftigung.[1]

 

Wollen wir uns daran erinnern, ob wir dieses Seelengefühl empfunden haben und was in diesem Fall in unserem alltäglichen Leben geschehen ist. Während wir Monate und Jahre unserer Vergangenheit durchblättern, wollen wir ein Paar weise Aussprüche zitieren.

 

Wer behauptet, dass er sich niemals gelangweilt hat, ist entweder ein Dummkopf oder ein Lügner, oder auch  beides zusammen. Sommeri.

 

Langeweile hat keine Gründe; wer sich darüber klar zu werden wünscht und sie mit Überlegungen zu besiegen hofft, versteht sie nicht. G.Flaubert

 

Langeweile im Leben eines Gläubigen

„Ihr werdet vom Segen Gottes, Seiner Gnade nicht entzogen, solange ihr die Langeweile und die herzliche Sehnsucht nicht eingeht, und euch davon nicht gängeln lasst”, – sagte der Prophet Muhammad (Allah Friede und Segen sei mit ihm).[2] D.h. sobald ein Mensch seinen Fortschritt in irgendeinem Weg oder in irgendeinem Lebensgebiet wegen der Langeweile und der Trauer hemmt, die sein Herz betroffen haben, sobald er in den Zustand der Stagnation[3] gerät, beginnt er, globale Verluste in seinen Aussichten zu erleiden, die ihn in der Zukunft erwarten. Er bleibt stehen (in seiner beruflichen Tätigkeit; in der Arbeit an seinem Verstand und an seinem Körper; in der konsequenten Aufmerksamkeit zu seinen Kindern, in ihrer gehörigen Erziehung; in einem geduldigen Verhalten zur Umgebung; in der Ausführung seiner Pflichten vor Gott, z.B., in der Ausführung eines Minimums der religiösen Praxis, u.ä.) und seine Aussichten in der Weltlichkeit wie auch in der Ewigkeit ändern sich und in irgendeinem Stadium stürzen sie zusammen. Er besteht diesen Teil der seelichen Prüfung nicht und zeigt dadurch seine Unfähigkeit auf, das geschickt auszunutzen, was ihn erwarten würde.

Ein von der Langeweile und von der Schwermut erfasster Mensch fängt an, über die Schwierigkeiten zu klagen und darüber zu reden, wie unglücklich er sei und was für ein schwieriges Leben er habe, indem er das Gute vergisst und dadurch die Undankbarkeit vor Gott und Menschen aufzeigt, was ihm in der Folge neue Verluste im folgenden Tag bringt. Und jemand bemüht sich (wenn ihm dies seine materiellen und anderen Möglichkeiten erlauben), vom quälenden Gefühl abzulenken, indem er sich mit Sünden ergötzt (mit alkoholischen Getränken, in Bars, mit einem mehrtägigen Müßiggang vor dem Fernseher) und das senkt ihn noch tiefer und entfernt ihn noch weiter.

In einiger Zeit kommt er zur Vernunft, wenn schon nicht im Weltlichen, dann nachdem er die Augen seines Bewusstseins vor dem Ewigen öffnet. Aber in jenem Moment wird er so viel Zeit und so viel an seinen Möglichkeiten verloren haben, dass es für ihn sehr wenig Chancen geben wird, mindestens wiederhergestellt zu werden. Obwohl, solange der Mensch lebt, gibt es immer eine Chance, aber man muss daran denken, dass das Gewässer, das infolge der „faulen“ Unbeweglichkeit in einen Sumpf verwandelt war, kaum wieder schnell zu einem murmelnden Bächlein mit einem kristallklaren Wasser werden kann.

 

Ein dynamischer Gesichtspunkt und das Herangehen eines Gläubigen

Im Heiligen Koran ist gesagt: „Wenn du dich einer Sache vollständig hingegeben hast und damit fertig bist, so beginne sofort mit der notwendigen Sorgfalt und ungeachtet deiner Müdigkeit eine nächste Sache [es muss nicht die Verteidigung einer Dissertation nach der Diplomarbeit oder neue sehr komplizierte und arbeitsintensive Veränderung in deiner beruflichen Tätigkeit sein, sondern es kann sein eine gemeinsame Erholung mit der Familie oder der intensive Umgang mit Verwandten oder Freunden; das Wesentliche – die Sachen sollen eine der anderen folgen und werden in den allgemeinen Kontext der lebenwichtigen Ziele eingepasst,] und [das Wichtigste – mit einem hohen herzlichen Zustand] begehre die Nähe deines Herrn [mit Bitten und Flehen um Seine Gnade, um Seinen Segen für große Taten]” [4] (siehe, den Heiligen Koran, 94:7, 8). Bei solch einem nicht theoretischen, sondern praktischen Herangehen zum Leben vermeidet der Mensch die satanische Leere namens „Langeweile“ und setzt seinen Weg bereits auf einem neuen Niveau des göttlichen Segens fort.

 Das Leben ist ein Weg, den man richtig, konsequent, besonnen und ungeachtet der Langeweile und der Schwermut gehen muss. Indem wir uns bewegen, entgehen wir ihr, wie auch vielem Schlechtem, das es in diesem Leben gibt, und dadurch beweisen wir uns, dass wir nicht nur dann Gläubige sind, wenn es uns gut geht, sondern auch dann, wenn es uns schlecht geht.

 

[1] Siehe: Duden. Das Bedeutungswörterbuch. 3., neu baerbeitete und erweiterte Auflage. Band 10. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2002, S.572.

[2] Bei einer der Ehegattinnen des Propheten Muhammad (Allah Friede und Segen sei mit ihm) war einmal eine Frau zu Besuch, über die man sprach, dass sie „die frommste Frau der Stadt Medina” war, da sie ganze Nächte hindurch betete. Der Prophet hörte das und sagte: „Wie kann das sein?! Einem Menschen ist das zur Pflicht gemacht, was er im Stande ist zu tun [ohne überflüssige Anstrengung und nicht zum Nachteil anderer Dinge. Und was ist Nützliches von einem Menschen am Tage zu erwarten , wenn er die ganze Nacht hindurch bis zur Erschöpfung gebetet hat?!] Ich schwöre bei Allah! [bei dem Herrn der Welten!] Der Allmächtige hört nicht auf, euch mit Seiner Gnade zu beschenken, solange euch das Gefühl der Langeweile, der seelischen Schwermut nicht ergreift [denkt und handelt mit einer Zukunftperspektive, nicht vergessend dabei die Veränderlichkeit der Stimmungen, der Zustände, der Möglichkeiten eines Menschen]!” Am meisten ist das geliebt, was ständig ist, es sei auch das Wenige. Siehe, zum Beispiel: Al-'Askaljani A. Fath al-bari bi scharch sahih al-buhari [Die Eröffnung vom Schöpfer (für Menschen im Verständnis des Neuen) durch die Kommentare zur Hadithensammlung al-Buhari]: In 18 B. Beirut: al-Kutub al-‘ilmija, 2000, B. 2, S. 136, Hadith ¹ 43.

Wenn ein Mensch ein notwendiges Minimum von Pflichten vor Gott, vor der Gesellschaft, vor der Familie, vor sich selber ständig erfüllt, kann er anfangen, unter dem Einfluss entweder seiner Emotionen oder eines anderen Menschen einer der erwähnten Pflichten eine größere Aufmerksamkeit zu schenken. Hier soll er dazu in praktischer Hinsicht vernünftig und besonnen herangehen und in dieser heutzutage begeisterten Ausführung einer dieser Pflichten eine Aussicht der Beständigkeit und einen langfristigen Nutzen sehen.

[3] Stagnieren: in einer Bewegung, Entwicklung nicht weiterkommen. Siehe: Duden. Das Bedeutungswörterbuch. 3., neu baerbeitete und erweiterte Auflage. Band 10. Dudenverlag. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2002, S.845.

[4] Die Übersetzung dieser Ayaten ist unter Berücksichtigung der philologischen Schattierungen der darin gebrauchten Wörter gegeben.


printer friendly  Email2Friend  save

Umma.ru logo

Ask Imam


Send

Subscribe for updates