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Schönheit wie Atem

  

Der Prophet Muhammad (Allahs Frieden und Segen ihm) hat ausgesprochen:

„Seid unter den Leuten wie ein [feines schönes] Muttermal (auf dem Gesicht)

[seid eine würdige Zierde einer jeden Gesellschaft]”.[1]

 

Empfindungswörter

Das Leben ist wie ein Ozean von Verwandlungen, den ein Mensch nie und nimmer austrinken kann. Das Leben ist für ihn immer ein Paradox des Tandems von Aufsteigen und Fallen, Begeisterungen und Enttäuschungen, Gewinne und Verluste. Den Durst der Empfindungswörter des Daseins kann man weder mit salzigem Augenwasser noch mit Flüssen des Vanillelächelns löschen. Schönheit und Liebe um Seinetwillen berieseln alle Wüsten der Seele, man muss nur in der Seele Seine Quellen finden, die aus dem Boden bis zum Himmel sprudeln.

 

Seine Punkte anstatt unserer Auslassungspunkte

 Die Schönheit ist wie Aschenputtels Glaspantöffelchen: alle können es anprobieren, aber wem und wie passt es? Wie es oft vorkommt, dass die Zeiger der Geistigkeit auf dem Zifferblatt des Lebens, die seltsamerweise und chaotisch drehen, streben, Mitternacht anzuzeigen. So dass die Kutsche des Gottessegens, Seine Freigebigkeit, die Fähigkeit, jeden Augenblick des Daseins zu schätzen, ihn einzuatmen, ihn zu fangen und ihn mit Leichtigkeit und Glück auszufüllen – von uns zu Kuerbissen der Alltäglichkeit verniedlicht und  umgewandelt werden. Wie kann man aufhören, nach zerbrochenen Schablonen zu leben, wie kann man lernen, Schönheit ringsumher und in sich zu sehen, wie kann man wagen, sie zu schenken und zu bekommen, was ist das – die Schönheit des Glaubens zu atmen?

 

„Mein Herz dank Deiner Gnade, o mein Gott, ist voller Neigung zu Dir und Liebe

sowohl verborgen als auch offenbar, sowohl am frühen Morgen als auch während der Morgendämmerung.

Und ich drehe mich im Schlaf oder im Schlummer nicht um,

ohne Dich zwischen meiner Seele und meinem Atem zu erwähnen”.[2]

 

Schönheit bedarf keiner Normen, sie soll verschieden sein, genauer  jedem seine eigene. Es ist deshalb wichtig, sich selber hören zu können, sich selber als eine Gegebenheit und als den Menschen anzunehmen, den Er so einzigartig geschaffen hat, mit etwas Besonderem, Schönem, von anderen sich unterscheidenden beschenkt hat. Und seine Individualität zu lieben denkend dabei an unsere Unvollkommenheit vor  Gott.

 

Schönheit als Symbiose von Seele und Körper

G.Lessing hat gesagt, Schönheit der Seele gebe sogar einem unansehnlichen Körper die Anmut, wie auch Hässlichkeit der Seele  auf dem prächtigsten Körper irgendeinen besonderen Abdruck hinterlasse, der eine unerklärliche Abneigung erwecke.

Oft misst man Schönheit mit äußerlichen Parametern[3], aber dieser Begriff ist viel umfangreicher. Sie ist mehr mit der Innenwelt eines Menschen verbunden.

„Schönheit bedeutet nicht schöne Kleidungen, mit denen wir uns schmücken, (echte) Schönheit ist eine Schönheit der Vernunft und der Wohlerzogenheit”.[4]

Wenn ein Mensch von innen schön ist[5], ist bei ihm alles harmonisch, erhaben, jugendlich, schneidig, er schaut mit einem besonderen schönen und würdigen Blick, Schönheit umhüllt ihn völlig, sie ist in jedem Wort dieses Menschen, in jeder seiner Gesten, in seiner Mimik sichtbar. Und indem wir das in anderen zu sehen und zu fühlen verstehen, schließen wir uns unbewusst dieser geistigen Schönheit an, wir werden davon durchdrungen und folglich werden wir besser. Wahrscheinlich gerade das ist die Schönheit  Gottes, die nicht abhängig von Zeit, Mode und Stimmungen ist. Das ist die einzige Schönheit, die keine Opfer fordert und die für jedermann erreichbar ist.

Wie bekannt gibt es keine unschönen Leute. Für unschön halten sich selber diejenigen, die bloss nicht schön werden  konnten oder nicht wollten. Schönheit wird gerade entwickelt. Äußerliche Attraktivität und innere Schönheit sind vor allem eine kulturelle, wohlerzogene Natürlichkeit, eine Fähigkeit, nach Vollkommenheit zu streben, sich aber nicht als vollkommen  auszugeben.

Schönheit und Attraktivität sind Seele und Körper, dazwischen soll ein ständiges Gleichgewicht, eine Harmonie sein. Man muss nicht fürchten, seinen Körper zu ignorieren – er braucht – ebenso wie auch die Seele –Aufmerksamkeit, Training, Zeit. In seiner besten Form, fein, attraktiv –ist er fähig, eine Menge positiver Emotionen und Lebenskräfte zu schenken.

Nur im Einklang dieser zwei Erscheinngsformen (Geistigen und Physischen) kommt ein großer Mensch zu, einer echten Persönlichkeit – wie aus einem Guss – die fähig ist, sich zu erkennen und sich zu entfalten, und folglich eine Chance hat, etwas Grösseres – Ihn – zu erkennen.[6]

Was bedeutet Schönheit unter dem muslimischen Gesichtspunkt? Diese Frage haben wir den Besuchern der Web-Seite umma.ru gestellt und drei Varianten von Antworten angeboten. An der Umfrage haben 555 Menschen teilgenommen:

 

Leben nach dem Koran und Sunna                                                              61.26 % (340)

mit Ihm lieben und das Leben schätzen, Schönheit anderen schenken           35.50 % (197)

alles gewöhnlich, wie bei den anderen                                                          3.24 % (18)

 

Die Medaille des Lebens, sogar eine goldene, hat zwei Seiten, auf beiden müssen wir leben, ob wir das wollen oder nicht. Leben nach dem Koran und Sunna bedeutet gerade das Streben zur Schönheit im Namen Allahs, liebend und das Leben schätzend, aber nicht fürchtend, es zu verlieren.

Schönheit nach Islam heißt zu leben, zu lieben, zu glauben, und das alles auf eine besondere Weise.

 

Fenster der Seele

Schönheit in all ihren Erscheinungsformen (Schönheit des Glaubens, Schönheit der Moral, Schönheit des Weltalls, Schönheit der Seele, Schönheit des Antlitzes) sagt „NEIN!“ – dem Neid, dem Schmerz, der Verzweiflung, der Gewalt, dem Krieg.

Schönheit ist ein bis zum Himmel gelangender Strahl des Hoffnungsschimmers in der Welt, in der die Sonne der Barmherzigkeit untergegangen ist, es keine Elektrizität des Wissens gibt, Kerzen der Offenheit in Seelenlämpchen erloschen sind.

Schönheit ist schön, da sie nichts als Entgelt fordert, sie schenkt nur sich selber, aber damit  diejenigen anregt, die sie anschauen, besser zu sein, lädt ein, ihr Niveau zu erreichen, ruft nach oben, indem sie durch das Kolophonium[7] der Alltäglichkeit durchdringt und die Seele belebt.

Schönheit ziert diejenigen, welche Fenster ihrer Seelen weit öffnen und sie in anderen sehen können.

Idee des Themas: Dshachontow Elssi


[1] Siehe: as-Sujuty Dzh. Al-dzhami‘ as-sagyr. S. 152, Hadith ¹2539, “sahih”; Saglul M. Mawsu'a atraf al-hadith an-nabawi aschßscharif [Enzyklopädie der Grundlagen der edlen prophetischen Äußerungen]: in 11 B. Beirut: al-Fiqr, 1994 (1989), B. 3, S. 503; at-Tabarani S.Al-mu'dsham al-kabir: in 25 B. Kairo: Ihja atßturas al-‘arabi, 1985, B. 6, S. 95, Hadith ¹5617; Ibn Abu Shejba A. Al-musannaf fi al-ahadith wa al-athar [Sammlung von Hadithen und Erzählungen]: in 8 B. Beirut: al-Fiqr, 1989, B. 4, S. 595, Kapitel ¹ 13, Hadith ¹220.

[2] Imam Asch-Schafi‘i.

[3] „Traurig, wenn Schönheit sich nur in fremden Augen widerspiegelt“, so Monica Bellucci. Das Wort „Schönheit“ ist Femininum und eine äußerliche Schönheit in aller ihren Erscheinungsformen dient wirklich gerade der Frau, doch „es gibt nichts trauriger als das Leben der Frauen, die nur verstanden haben, schön zu sein“.

[4] Siehe: Al-Käram A. Diwan amir al-mu’minin al-imam ‘Ali ibn Abu Talib. S. 16.

[5] Ein Mensch ist schön, solange sein Herz lebendig ist. Der Prophet Muhammad (Allahs Frieden und Segen ihm) hat einmal gesagt: „Meine Augen schlafen, und mein Herz ist wach”.

[6] In muslimischer Kultur ist die Äußerung bekannt: „Wer sich selber erkennt, der erkennt ohne Zweifel seinen Herren“. Saglul M. Mawsu'a atraf al-hadith an-nabawi aschßscharif [Enzyklopädie der Grundlagen der edlen prophetischen Äußerungen]: In 11 B. Beirut: al-Fiqr, 1994, B. 8, S. 395; al-‘Adshluni I.Kässhf al-Hafa’ wa musil al-ilbas: in 2 Teilen Beirut: Al-kutub al-‘ilmija, 2001, Teil 2, S. 234, Punkt ¹2530.

[7] Kolophonium ist ein gelbes bis braunschwarzes Baumharz mit muscheligem Bruch und Glasglanz. Es ist ein natürliches Harz, das aus dem Balsam von Kiefern, Fichten und Tannen (Koniferen) gewonnen wird. Als Kolophonium werden die festen Bestandteile dieser Baumharze bezeichnet, die nach der Abtrennung der flüchtigen Bestandteile (Terpentin) mittels Destillation zurückbleiben.

 


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